Die Entpferdung des öffentlichen Raumes

Erst jetzt aufgefallen, dass keine Reiterstandbilder mehr aufgestellt werden.
„Guten Morgen!“ ruft ein jeder, denn das hätte bitte sehr schon vor zwanzig Jahren geblogt werden können. Ist aber nicht.
Gemessen an der mehrtausendjährigen Ausdauer, mit welcher Mann-auf-Pferd (feminine Ausnahme: Johanna von Orleans) in Bronze getrieben wird, kommt der Abbruch der Produktlinie immer noch ziemlich plötzlich.
Natürlich ist zunächst das Auto schuld, das zweierlei bewirkte: es demokratisierte die Fortbewegung (das Hochtrabende verschwand), aber es versetzte den sich Fortbewegenden auch in den Zustand der Sünde ob des Ressourcenverbrauchs.
Der Fürst von gestern führte noch klimaneutral seine Kriege. Mit Auspüffen unter’m Hintern hingegen mochte man sich nicht auf dem Marktplatz verewigt sehen.
Vorbei auch die Zeit, da sich die Herrscher darin zeigen, wie sie den Völkern voran reiten, wenn auch nicht immer mit gutem Beispiel, so doch mit gutem Pferd. Auch stehen heute die Ausgaben für personenbezogene Denkmäler grundsätzlich nicht mehr ganz oben auf den Veruntreuungslisten.
Die meisten Denkmale der letzten Jahre werden positiver Weise auch mehr den Opfergruppen von Machtexzessen als den Mächtigen gewidmet. Nach den Reitern kommen die Getretenen.
Es gab freilich zwischen Reiterstandbild und Zuschandegerittenenmahnmal noch das kleine Intermezzo des besockelten Fußgängers, vor allem in der Mangelwelt des Stalinismus („Pferd ist aus!“), wo dem Blech-oder Stein-Lenin nur übrig blieb, einfach stehend irgendwo in die Ferne zu weisen oder, wie Marx und Engels in Ost-Berlin, an einer virtuellen Haltestelle sitzend/stehend den Lauf der Dinge abzuwarten, was überhaupt das Klügste war.
Die Wendy-Phase der Denkmalgestaltung ist jedenfalls definitiv überwunden.
Wir reiten überhaupt nirgendwo mehr hin.
Die Pferde wissen das schon.

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