Königsdisziplin

Es ist zu verstehen, dass der Spaßfaktor, zu einem Königshaus zu gehören, sinkt.
Auch auf dem Hause Windsor lastet schließlich der Fluch aller Königshäuser, in Geschmacksfragen hinter dem Mond bleiben zu müssen.
Das Von-gestern-Sein, bei republikanischen Herrschern (zu Recht) beargwöhnt, ist bei Monarchen die vornehmste Tugend. Es sichert das stilgerechte Erscheinen in billigen Illustrierten.
Man haust in Tuntenbarock und isst von Tellern, die jeden Flohmarkt toppen. Möbeltechnisch und architektonisch herrscht bei Königs knallhartes Bauhausverbot. Disney statt Gropius.
Und hat man je eine halbwegs moderne Krone gesehen? Kronen sind bestimmt mindestens so schwer zu designen wie Grillkamine. Einen Hut, in den es regnet, hat sie Preußens Alter Fritz genannt, der sowieso zu geizig war, sich eine zuzulegen. Als ich die englischen im Tower sah, wirkten sie wie kleine Käfige. Oder Bärenfallen, die zuschnappen, wenn man reinfasst. Auf ihr Tragen zu verzichten dürfte nebenher auch Kopfschmerzen vorbeugen.
Als sich die meisten, wie man sie nennt, alten Geschlechter vor der Demokratie in die konstitutionelle Monarchie retten mussten, um überhaupt noch einen Thron unterm Hintern zu haben, verdonnerte sie die drohende Überflüssigkeit zu ewiger Operette. 
Aus von Nussknackern bewachten Gebraucht-Immobilien mit Pferde-Kutschen zu holpern.
Bleischwer überkront auf diesem orthopädisch fragwürdigen Sitzmöbel Thron zu hocken, um von dort aus belanglose Grußadressen zu verlesen und quietschbunte Orden zu verleihen, meist an Leute, die keinen brauchen.
Aber außer Aussteigen gibt es keine Rettung. Den ästhetischen Level der Boulevard-Leserschaft zu bedienen, ist, und das weiß man unter dem Hermelin, die sicherste Bestandsgarantie der „Monarchie light“. 
Alles muss so aussehen, wie es mal war, damit es so bleiben kann, wie es ist.

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