Mensch und Pflanze

Ein Trieb dieser okkupationsfreudigen Rankepflanze versucht seit Tagen, durch das Küchenfenster zu dringen.
Das drängende Leben. Es nimmt auf nichts Rücksicht. Das Rankedings ist in der Lage, einen kleinen Baum völlig einzuwickeln, bis gar kein Licht mehr zu dessen Blättern dringen kann und er abstirbt.
Immerhin haben wir hier drin mit dem Küchenfenster eine echte Chance.
Das Leben ist eine brutale Machtmaschine. Zufriedenheit existiert darin nicht. Niemals genügt einer Pflanze ihrer Blattfläche. Es wird getrieben und ausgestreckt, auch ohne Rücksicht darauf, wie viel Wasser und Mineralien nur zur Verfügung stehen. Werden die Ressourcen überansprucht, wird eben eingegangen und bei nächster Gelegenheit frisch gekeimt.
Ein gleichmütiges Ringen um Sein und Vergehen, ohne Fragen nach einem Sinn. Nehmen, was man kriegen kann, bevor der Winter kommt.
Tiere sind maßvoller. Der Löwe tötet nicht, wenn er satt ist.
Der Mensch neigt dann wieder stärker zur pflanzlichen unbekümmerten Maßlosigkeit. Als ob mit ihm die Evolution ethisch den Zenit überschritten hat. Grüner wird’s nicht.

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