Gänsefußpflege

Irgendwann war man offenbar gänsefußlahm. Und lässt nun in den Zeitungen die selbst ernannten “Reichsbürger” ohne redaktionelles Statement der Befremdung so dastehen, als gäbe es sie.
Demnächst demonstrieren jene, die nur im Gestrigen das Morgen sehen, in Potsdam für die Rückkehr der Monarchie.
Sie, die sie Steuern für rausgeschmissenes Geld halten, wollen als treue Untertanen lieber Hofhaltung finanzieren.
Na, gut. Auf etwas mehr oder weniger Irrwitz auf den Straßen kommt es nicht an.
Aber hat man sie nicht schon damit heim ins Reich geholt, wenn man ihnen die Selbstbezeichnung gänsefußlos einräumt?
Die sie doch nichts weiter als Verfassungsleugner sind?
Die Coronaleugner nennt man ja nun auch nicht Ohne-Corona-Lebende.
Und müsste man, einmal dabei, jene Tatsachenabstinenzler, welche sich die Erde wieder als Scheibe denken (und solcherlei Gespinste sogar via die Erde umkreisende Kommunikationssatelliten verbreiten) nicht auch Flache-Erde-Bewohner nennen? Gleiche Verblödung für alle!
Wir brauchen zur Zeit eindeutig mehr Gänsefüßchen.
Aber es geht schon damit los, dass die Computertastaturen sich oft schwer damit tun, die Füßchen vorne unten und hinten erst oben anzusetzen. Im Kaiserreich hätte es dafür bestimmt eine Sechs gegeben.
Kurios ist, dass man früher in Springers Presse die DDR grundsätzlich in Gänsefüßchen gesetzt hatte, obwohl es sie gab. Ich kann das bestätigen, denn ich lebte in ihr. Die Gänsefüßchen wollten mir aber sagen, dass ich mich täusche. Es gelang nicht infolge zu deutlicher Wirklichkeit. Heute nun brauchen wir die Füßchen zur Rettung der Wirklichkeit.
Oder sollte ich schon „Wirklichkeit“ schreiben?

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