Fragwürdiges Befragen

Eine bedeutende Quelle menschlicher Missverständnisse sind Meinungsumfragen.
Gerade habe ich in einem Anflug von naiver Gläubigkeit doch mal wieder eine mitgemacht, in der von Frage zu Frage erneut schwindenden Hoffnung, meine Meinung auch tatsächlich kund tun zu können.
Dabei stand auch diesmal das höhnische “Ihre Meinung ist uns wichtig!” drüber. Und ich weiß, dass ihre angeheuerten Meinungsmechaniker daraus für die Firmenchefs eindrucksvolle Powerpoint-Präsentationen basteln, die erklären sollen, was die Kunden wollen, obwohl mein Kundenwille durch diese Umfragen nur durchdringen kann wie Schreien durch Dreifachfenster.
Vor allem haben sie irriger Weise wieder in mir dieses seltsame Körperorgan vermutet, das in der Lage ist, alles Mögliche zwischen 1 und 10 einzustufen, oder auch zwischen 1 und 5. Ich besitze allerdings ein solches Sinnesorgan. Mir fehlt hier etwas Evolution. Statt zu sagen: ”Das Gemüse war sehr lecker, aber die Soße fad” kann meine Zunge das ganze Gericht nicht zwischen 1 und 10 verorten. Was hat denn der Koch erfahren, wenn ich “7” sage? Er kann es in eine Rechenmaschine kippen und hofffen, irgendwann die 8 zu erreichen. Dabei weiß er nicht mehr, was er am Gemüse noch verbessern soll.
Wenigstens gab es diesmal ein Textfensterchen, in welches man humanoide Prosa schreiben durfte. Ich nutzte es auf meinem aussichtslosen Privatkreuzzug, dem Anbieter, einem namhaften Spreader bezahlter Fernsehinhalte, mitzuteilen, dass etwas, das sich “Monatsticket” nennt, nicht ein automatisches Abo sein sollte, das man nicht vergessen darf zu kündigen, sonst setzt es dort nämlich Mahnungen mit Aufschlägen.
Im weiteren Verlauf der Umfrage wurde mein monatsweises Dasein aber hartnäckig Abo genannt, so dass ich letztlich häufig die letzte Zuflucht des Überfragten nahm: das “Weiß nicht”-Fensterchen.
Nicht jede Umfrage bietet es an.
Oft erstickt man unterwegs an Unbeantwortbarem. Auch diesmal wurden viele Fragen, deren Antwort ich gerne geben würde, gar nicht erst gefragt.
Gern würde ich den Meinungsforschern mein Unbehagen an Zahlenmagie mal direkt mitteilen. Aber deren Interesse daran liegt sicher irgendwo bei Null.
Was sie einzig brauchen, ist Statistik-Stimmvieh für eindrucksvolle Powerpoint-Präsentationen, die den Unternehmen das dafür ausgegebene Geld wert zu sein scheinen.
Vielleicht würden sie gern subtiler forschen.
Aber sie selbst fragt schon gar keiner.

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