Ho-Ho-Hohn!

Kurz vor dem Super-GAU des Weihnachtsgeschäfts entwickelt der Einzelhandel einen schrägen Humor.
„It’s the most wonderful time of the year“ rieselt es im Supermarkt ungebremst von der Decke.
Diese frohlockende Verheißung in der Stimme von Andy Williams!
Hämisch grinst der Weihnachtsmann aus der Schololaden-Umverpackung.
Wer den Lockdown hat, muss für den Spott nicht sorgen.
Na gut, wonderful ist ein dehnbarer Begriff.
Das Wunder des Rückgangs der Infektionen ist nicht getan worden. Kein Wunder.
Aber die mächtige Stimmungsmaschine auszubremsen hat der Bund-Länder-Gipfel gestern offenbar vergessen. Das Marktpersonal, das sich schon seit vielen Jahren meines Mitleids sicher sein darf, steht weiterhin über die volle Ladenöffnungszeit unter der Dröhnung der einschlägigen musikalischen Munitionierung. Da sie ja eingelegt wird, um zum Kauf zu stimulieren, ist sie ab Mittwoch überflüssig. Hamsterkäufe drosselt man nicht mit „Morgen, Kinder, wird’s was geben“.
Noch rast der Weihnachtszug ungebremst auf den Prellbock zu.
Seinerzeit, vor vielen, vielen Weihnachten, als die Engel noch „Jahresendfigur mit Flügeln“ hießen, zeigten meine führenden Genossen große Rücksicht auf die Empfindsamkeit ihrer Untertanen. In Auswertung der Versorgungslage durfte zum Beispiel „Zwei Apfelsinen im Haar und an der Hüfte Bananen“ nicht im Radio gespielt werden. Volkes Zorn musste immer unter Siedepunkt gehalten werden.
Aber heute gibts noch einen oben drauf.
Als gäbe es keine Anti-Folterkonvention der Vereinten Nationen.
Es reichte ja ein Zusatzartikel zum Infektionsschutzgesetz.
Oder nur ein weiteres Machtwörtchen.
Ein wohltuendes Pssst.
Stille Nacht.

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