Kostümball Putsch

Auf den Halbnackten mit den Büffelhörnern hat kaum ein Massenmedium verzichtet.
Auch in Washington D.C. hat es derzeit Temperaturen knapp über Null. Also hat hier jemand gern gefroren. Schade nur, dass Leni Riefenstahl nicht mit der Kamera gekommen war. Sie hätte den wilden Reinen, als den er sich sicher sieht, den Kernkraftprotz des Anti-Establishments eindrucksvoll inszeniert, Triumph des Willens und so. Aber vielleicht wäre Lenis Kamera auch irrtümlich mitzertrümmert worden, weil man sie für eine Sklavin der Fake News Media gehalten hätte.
So tummeln sich im verbleibenden Bildmaterial, oft genug aus den Smartphones, vor allem Jogginghosen und Rockerjacken, und die Ikonisierung des Wüsten kann trotz einiger Kostümgags nicht recht gelingen.
Joe Bidens dunkler Anzug wirkte, sicher ungewollt, wie ein bewusst gesetzter Reset des Zivilen. Aber kann man das Wort “anziehend” von “Anzug” ableiten?
Der Anzug ist sicher auch die Zwangsjacke der Gefolgsamkeit. In anderen Kulturen, der indischen oder afrikanischen zum Beispiel, findet sich freiere, schmückendere Gewandung. Der westliche Anzug mit der Halsschlinge trägt die giftige Botschaft des Unterworfenwordenseins.
Wer Volk verführen will, hat gern die Kostümierung genutzt. Nicht zufällig zitiert noch heute mancher Dresscode der S/M-Szene die SS. Kleidung will Potenz vermitteln. Der Populismus kann die Wut dann mit Lust unterlegen. Auch die Lust ist ein Ausbrechen aus der Ordnung, adressierbar auch hinter Designerklamotten. Wie alles Menschliche kann die Lust zu Führungszwecken instrumentalisiert werden.
Deshalb erwarte ich nun gespannt den ersten Büffelhornträger der AfD.

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