Virtuelle Zwangskollektivierung

Vor kurzem erfuhr ich, dass ich Mitglied im sicher ehrenwerten, mir aber bis zu diesem Zeitpunkt erfreulich unbekannten Apple-Game-Center bin.
Ein Fenster ploppte plötzlich vor mir auf und fragte mich, ob ich als Member nicht jetzt gerade mit wildfremden Menschen ein Spielchen wagen möchte.
Eigentlich war es schon im Gange.
Ich bin sehr ungern Mitglied in irgendwas, ohne vorher gefragt zu werden. Deshalb ärgerte ich mich, obwohl Andere sagten: was willst du, die wollen doch nur spielen.
Ich kenne Hunde.
Und ich muss wieder mit nervenden Epochenvergleichen kommen: in der DDR wurde ich immerhin pro forma gefragt, ob ich Mitglied sein will. Warum meint Apple, mich nicht fragen zu müssen?
Oder, nein, sie fragen und man merkt es nicht. Das kann gut sein. Irgendwo in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen stehen wahrscheinlich auch konkrete.
Im Kleingepixelten, das ich irgendwann, beim Kauf des Laptops womöglich schon, in der Euphorie der Freude auf das Benutzen eines vermeintlich mir gehörenden Gerätes, mit einem Häkchen in einem Kästchen buchstäblich abgehakt hatte.
Ein wenig ist es mir, glaube ich, mit Einsatz einer gehörigen Portion Freizeit gelungen, aus dem Spielerzwangslager auszubüchsen. Kann sein, dass mir dabei sogar ein Werbebanner “Verantwortungsvoll spielen!” gezeigt wurde, weil man Humor hat.
Man freut sich, wenn schon kein glaubwürdiger Exodus mehr möglich ist, über das so genannte Deaktivieren, das Kündigen light. Der Deaktivierte schwebt wie eingefroren zwischen Sein und Nichtsein. Das Deaktivieren ist quasi die Schrödingerkatze des Internet.
Man kann außerdem Belästigungen durchaus reduzieren und den Bildschirm halbwegs frei kriegen, das ist viel heutzutage.
Mitgliedschaften grassieren mittlerweile wie Infektionen. Um den Preis einer Software zu erfahren, muss man immer öfter erst einmal einen Account anlegen, bestätigen, und dann kann man, wenn einem der Preis gefällt, es immer noch nicht kaufen, weil es nur eine Jahresmitgliedschaft gibt, die sich automatisch verlängert wie damals beim FDGB.
Mittlerweile bin ich wenigstens schon ganz gut im Finden von harten Kündigungsmöglichkeiten.
Manchmal muss man dazu erst jemanden in einer Verzweifelten-Community finden, der weitererzählt, was man anstellen muss, um abzuhauen.
Selbstverständlich muss man in der Community Member sein.
Irgendwann sind wir nur noch Mitglied und gar nicht wir selber. Letzteres wird dann jemand anbieten, als kostenlose Demoversion.

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