Ganz kleine parlamentarische Anfrage

Habe ich was verpasst? Es wäre ja nicht das erste Mal. Aber ich fürchte, ich habe nichts verpasst:
Hat es überhaupt mal einen Gesetzantrag der Opposition auf die so oft vermisste Beteiligung des Parlaments an Hygienevorschriften gegeben?
Oder hat man letztlich eher doch keinen Bock, Unbeliebtes zu verantworten und ist froh, dass man nur ab und zu herumnörgeln muss?
Möglicherweise scheut man vor einklagenden Gruppenanträgen zurück, weil man dafür wahrscheinlich gemeinsame Sache mit AfD-Abgeordneten machen müsste, die mit ihrem Querdenkerbestand auch so schon genug für die Corona-Ausbreitung getan haben.
Noch rätselhafter als das Verlangen nach Beteiligung ohne Versuch, diese gesetzlich zu erzwingen, ist die regelmäßig aus verschiedenen Richtungen verlautbarte Forderung nach einem „klaren Zeitplan“ der Öffnungen. Eben noch hat der Experte mühevoll den Erstklässlern im Lehrfach „Epidemologie“ zu erklären versucht, dass wir noch nicht genau wissen können, welche Rolle Virus-Mutationen in den nächsten Wochen spielen, da wird ein Genau-Wissen-Wollen verlangt.
Die Unberechenbarkeit des Virus wird aus Ohnmacht vor dem Virus zur Unberechenbarkeit der Regierung umgewidmet.
Schon deshalb sehne ich eine umfassende Impfung herbei, damit im Abklingen der Pandemie auch diese haarsträubende Kurzsichtigkeit, wenn nicht aufhört, so doch bis zum nächsten Mal gnädig verstummt.

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