Karneval von unten

Den zeitlebens stimmungsvollsten Eindruck zum heutigen Rosenmontag erzappte ich einmal bei einem rheinisch-regionalen Fernsehkanal, den mir die Telekom ins Senderpaket spie, weil sie ihn nun mal da hatte.
Dort sah ich eines Vormittages in voller Länge eine Fahrt mit der Kölner U-Bahn, gefilmt aus dem Führerstand, und hörte dazu jedoch stark kontrastierende Karnevals-Schunkel-Schlager.
Man fühlte sich spontan in eine besonders anspruchsvolle Berlinale-Sektion versetzt.
Vor Augen den finsteren, öligen Tunnel mit von schwarzen Spinnweben verhangenen Kabelbäumen und in den Ohren das quietsch-bunt-hallige Schingdarassabum von Übertage mit Gejohle und Alaf.
Oben? Unten? Man wusste nicht zu entscheiden, wo man jetzt lieber nicht wäre.
Die Aufnahmen waren wohl außerhalb der Karnevalssaison entstanden, denn bei Stationseinfahrten sah man die üblichen Sauertöpfe, die wir Deutschen auf jedem Bahnhof abgeben.
Immerhin zeigte die zugespielte Musik, zu welch Extasen Menschen dort wohl fähig sind. Warum allerdings und noch dazu kalendarisch streng fixiert, erschloss sich leider auch nicht bei dieser nahverkehrstechnischen Darmspiegelung einer Karnevalshochburg.

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