Heimliche Entschuldigung der dritten Art

Es wird heute zu Recht immer spätestens sofort Beschwerde wegen Diskriminierung eingelegt.
Oder gleich ein lustiger Shitstorm entfacht, gegen welche die Diskriminierung selbst dann oft nur als kleines Windchen übrig bleibt.
Es gibt aber eine Bevölkerungsgruppe, die seit Jahrzehnten systematisch und extrem diskriminiert wird und dies offenbar mit einer Geduld erträgt, aus der nur zwingend geschlossen werden muss, dass sie völlig zu Unrecht vor allem in Kino-Filmen als gewalttätig und primitiv dargestellt wird.
Denn diese Gruppe entfacht (bis jetzt) keinerlei Shitstorm, ja, reagiert überhaupt nicht, höchstens mit Kontaktverweigerung.
Es handelt sich um die vielen, vielen außerirdischen intelligenten Wesen allein in diesem Universum. Von denen die Statistik sagt, dass es sehr viele von ihnen gibt, geben muss ganz einfach, wenn wir nicht völlig arrogant sein wollen, während gleichzeitig der so genannte gesunde Menschenverstand jeden für bekloppt erklärt, die ihre Existenz tatsächlich für möglich hält.
(Was übrigens auch wieder eine Diskriminierung ist, die Diskriminierung von Menschen, die etwas für möglich halten. Was auch immer.)
Ich meinerseits neige zur Anerkennung der Statistik und der Logik und möchte mich schon mal auf diesem Wege, der wahrscheinlich gar keiner ist, im Namen des ganzen Menschenkollektivs für all die hässliche Darstellung von Aliens in Spielfilmen entschuldigen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass die Darstellungen nicht oder wenigstens zu 99 Prozent nicht der Realität entsprechen und daher beleidigend wirken müssen. Es sei denn, wesentlich ältere Zivilisationen haben das Beleidigtsein überwunden – eine Utopie, von der wir hier auf der Erde nur heimlich träumen können.
Es handelt sich bei den Filmen ja auch nicht wirklich um anklagende Vorwürfe dagegen etwa, dass Sie, verehrte MitbewohnerInnen des Universums, beispielsweise einen Bannstrahl auf Wolkenkratzer fahren lassen, die daraufin brennend einstürzen. Das ist ja noch nie geschehen. Und gerade deshalb Diskriminierung, es so zu zeigen. Selbst, dass Sie als graue, großäugige Kidnapper dargestellt werden, ist nur eine der vielen mageren Ideen hiesiger Drehbuchautoren, um Unterhaltung herzustellen.
Diskriminierung als Unterhaltung, ja, das gibt es. Natürlich geht das unbekümmerte Publikum davon aus, dass es Sie gar nicht gibt, sonst müssten sie ja gegen Sie protestieren, verlangen, dass Sie zur Rechenschaft gezogen werden undsoweiter.
Ganz, ganz übel beleidigend ist natürlich die Annahme, Sie würden Ihre High-Tech-Raumschiffe in Gestalt sabbernder Echsen mit primitivsten Tischsitten lenken. Selbst wir Menschen, die wir es bislang mit Ach und Krach zum Mond geschafft haben, sind nicht so primitiv, dass wir Wesen, von denen wir uns ernähren, lebendig den Kopf abreißen oder mit irgendwas in die Eingeweise bohren. Wir haben Tierwohl-Labels und schweißen das meiste ein, bevor es zum Verzehr in Frage kommt. Ich gehe zwingend davon aus, dass intelligente Wesen, die Sternendistanzen überwinden, mindestens von Tellern essen und Besteck nehmen und vielleicht sogar Vegetarier sind.
Ich möchte nicht wissen, was hier los wäre, wenn man Frauen als Lindwürmer darstellte, die menschliche Raumstationen leerfuttern. Ein all zu berechtigter Aufschrei würde sich erheben, erst Recht, wenn Farbige Projektionsfläche solch hässlicher Phantasie würden! Und Sie stellt man in allen möglichen Farben negativ dar, mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen, in welchen sie aber auch nicht als intelligente Nachbarn erscheinen dürfen, die Sie sein müssen, wenn Sie zu uns gelangen können, sondern bestenfalls als eine Art Weihnachtsengel auf schweigender Durchreise oder, wie in „Star Wars“ höchstens als brauchbare Gehilfen der Menschen.
Aber in den allermeisten meist sind Sie die Monster, die einzig verbliebenen hassbaren Wesen.
Dafür schäme ich mich als Mensch, und das wollte ich nur mal gesagt haben.
Angenehme Weiterreise.

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