Emanzipationskitsch

Kitsch erschafft ein falsches Idyll. Zum Wohlfühlen taugt es, zur Erkenntnisgewinnung nicht.
Letzteres ist harmlos, wenn es sich um einen Elfenreigen in Öl handelt. Denn diese Elfen pfuschen der Weltsicht nicht ins Handwerk. Sie dürfen in dieser Besetzung gern auch so stehen bzw. tanzen bleiben – höchstens bei der ethnischen Mischung wären noch Defizite.
Das viktorianische England ist dem Elfenreigen voraus. Gehobene Positionen in dieser Epoche werden in Filmen neuerdings gern mit Schwarzen oder Indern besetzt. Als ob eine Gleichberechtigung nachgeholt werden könnte, an die damals nicht im Traum zu denken war. Oder als ob einem dieser Widerspruch gleichgültig wäre.
Da gibt es zum Beispiel einen indischstämmigen David Copperfield (launiger Filmuntertitel “Einmal Reichtum und zurück”). Drollig, aber wie ist der überhaupt dahin gekommen? Und wieso wird seine offensichtliche ethnische Herkunft nicht thematisiert? Die Filmkritik hat sich mehrheitlich an der postmodernen Poppigkeit ergötzt. Selbst Kinderarbeit in Fabriken ist nur noch ein pittoresker Farbtupfer.
Bei Netflix hat man in “Bridgerton” gleich eine ganze viktorianische Adelsgesellschaft schwarz besetzt, inklusive schwarzer Queen. Gleichzeitig ist auch hier alles quietschbunt und romantisch.
Glaubt man wirklich, sich zu emanzipieren, wenn man sich zum Spielzeug des Pop machen lässt? Ich wage nicht zu ahnen, wie jüngere deutsche Geschichte demnächst verfilmt wird. “Babylon” setzte die Endzwanziger schon in einige schiefe Bilder. Nur war der Polizeichef noch kein Schwarzer oder eine Frau. Wäre er es, wäre es, meine ich, eher eine Beleidigung für die Opfer rassistischer und patriarchalischer Unterdrückung jener Jahre als eine löbliche Quotierung.
Oder schlicht Geschichtsfälschung.
Ja, wenn’s weiter nichts ist, sagt die Unterhaltung.
Wir zeigen die Vergangenheit jetzt lieber, was man sie sehen will, und nicht, wie sie war.
Wie immer zu Herrschaftszwecken, nur ist es diesmal die Quotenhoheit.
Blinde Buntheit.
Nein, ich will keinen Elfenreigen an der Wand.

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