Wandertag: Im Nebel am Blankensee

Die paradoxe Illusion, die der Nebel stiftet, ist der Eindruck von Unendlichkeit, obwohl er die Sichtweite verkürzt.
Man wird nicht mehr durch ferne Ziele abgelenkt vom Wesentlichen: dem Hier.
In dieser Begrenztheit kann man sich besonders gut weiten.

Ein Baum, der ungehindert gewachsen ist, ist eine stolze Chronik freier Entscheidungen: wohin dieses Jahr verzweigen?
Die menschliche Formulierung „Entscheidungen gefällt“ verweist ausgerechnet auf eine Axt. So geht es ja oft auch gern zu bei uns.
Da ich im Naturschutzgebiet bin, muss dieser wunderschöne Baum nicht mit verhängnisvollen gefällten Entscheidungen rechnen.
Aber auch allein bleiben.

Brücken scheinen in bester Absicht gebaut und wirken trotzdem manchmal wie eine Falle.
Ich meide diese lieber.

Hinter der überschwemmten Wiese liegt der (im Nebel nicht sichtbare) Blankensee. Ein riesiger Wasservogel-Rastplatz.
Noch keiner da, denke ich.
Da erhebt sich plötzlich für eine halbe Minute das Geschnatter hunderter heute unsichtbarer Gänse.
Ist es Beifall? Ein Gebet? Eine Klage? Oder nur ein „Ich bin’s“?
Auch das bleibt nebulös.

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