Der Fluch des Unwortes „Lockerung“

Schon einmal hatte ich vor dem untauglichen Begriff der „Lockerung“ gewarnt, aber als Kassandra von Wildenbruch ist das Unerhörtsein mein Schicksal.
Wenn nicht falsches Wortverständnis zu falschen Entscheidungen führen würde.
(Was Macht und Ohnmacht von Worten zeigt.)
Das Wort „Lockerung“ suggeriert eben leider, dass man die Zügel im Kampf loser hielte. Aber, beispielsweise, ist ein Konzert vor tagesaktuell negativ Getesteten eben keine Lockerung, sondern anhaltend konsequente Hygiene, ebenso wie das kontaktlose Beziehen einer Ferienwohnung.
(Letzteres würde sogar die Begegnungsdichte in den Städten verringern, den sozialen Abstand vergößern, müsste also eher gefördert werden.)
Freiheitsräume, die keine Infektionsgefahr darstellen, darf man nicht als Lockerungen geradezu verleumden.
Auch das Geimpfte Hotelbetten buchen, ist, weil null Hygieneverlust, keine „Lockerung“, sondern ein infektionsneutraler Vorgang und eine Unterstützung der Gastronomie und Hotellerie.
Die echten Lockerungen sehe ich täglich, wenn mir Supermarkt-Kunden auf die Pelle rücken oder ich Gruppen maskenlos an der Schule rumhängen sehe.
Wo das Hirn locker sitzt, hüpft das Virus.
Wahrscheinlich werden auch aus Furcht vor Lockerungen die Impfpläne nicht gelockert, selbst, wenn ungenutzte Dosen herumliegen.
Wir sollten uns begrifflich lockern.

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