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Quoten und Fälschung

Das gut Gemeinte tut nicht immer Gutes.
Mit ernsthaftem Bemühen wird in großen Serien-und Filmproduktionen immer stärker ein Besetzungsproporz gewahrt: paritätisch sind Frauen, Schwarze, Asiaten und, wenn der Cast groß genug ist, auch Abkömmlinge indigener Völker in tragenden Rollen vertreten.
(Mörder übrigens ausgenommen, diese Rolle ist die letzte unangefochtene Domäne des weißen Mannes.)
Dass durch den Proporz keine gesellschaftliche Wirklichkeit abgebildet wird, scheint nicht zu stören. Oder giftig gesagt: die Besetzungsgerechtigkeit leugnet die tatsächlich bestehende Ungleichheit. Statt Rassismus zu begegnen, blendet sie ihn weg.
Besonders absurd, aber auch vertrackter, wird das Ganze in historischen Milieus, die bevorzugt für Fantasy-Serien herangezogen werden.
Fantasy ist freilich pure Spinnerei,  aber wenn im viktorianischen England ein Schwarzer gehobener Polizeibeamter ist (“The Frankenstein Chronicles”), ist dies doch auch eine hinterhältige Leugnung von kolonialer Unterdrückung.
In Kürze startet mit “Das Rad der Zeit” eine weitere Proporz-Fantasy-Serie. Wir sind in einem an “Der Herr der Ringe” erinnernden Mittelalter, in welchem nun aber auch das eingangs erwähnte einträchtige ethnische Durcheinander zelebriert wird (wie im ziemlich gewittrigen Trailer zu erkennen). Dabei müssen farbige Vertreterinnen des Hochadels freilich die Klamotten der weißen Tradition tragen beziehungsweise das nuttige Outfit, das mittlerweile für Spielhandlungen in diesen pseudohistorischen Sets verbindlich wird.
Wird junges Publikum noch den Erzählungen von Sklavenhandel und Apartheid glauben, wenn es davon ausreichend  gesehen hat?
Zum Ausgleich, mag man einwenden, gibt es Serien wie ”Them” über die rassistische Wirklichkeit in den USA der 50iger.
Vielleicht wird aber schon bald der Proporz verlangen, dass da auch Weiße als Opfer vorkommen müssen.
Wenigstens bei Fantasy.

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