Das Altsein ist eingetreten, wenn…

…man findet, dass die Freunde alt aussehen.
(Sie sehen sogar noch älter aus als sonst, weil sie in dem Moment gerade in bisschen erschrocken darüber sind, wie wir, ihre alten Freunde, alt aussehen.)
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…man Dankbarkeit dafür empfindet, heute nicht jung sein zu müssen.
(Das beginnt mit der seeligen Erinnerung, Innenstädte, Bahnhöfe etc. noch ohne Überwachungskamera erlebt zu haben und endet in der offensichtlichen Tristesse, wie die Jungen heute über soziale Netzwerke tagesfüllend Bindungen simulieren oder mühsam Sexualpartner organisieren müssen.)
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….man sich zunehmend darum sorgt, sich in Sicherheit bringen zu müssen bei gleichzeitg zunehmender Einsicht, dass es keine Sicherheit gibt, nirgendwo.
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…man immer öfter googeln will, um nachzugucken, ob Menschen noch leben, die man, etwa als Musiker oder Schauspieler, mal sehr geschätzt hat.
Immer seltener leben sie noch.
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…man fortschreitend ertaubt gegenüber jeglicher Begeisterung, ob revolutionärer oder kommerzieller.
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…man immer öfter für seine angeblich diskriminierende Wortwahl diskriminiert wird, meist als “alter, weißer Mann”. Immerhin darf man sich noch auf die Parkbänke setzen.
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…man hofft, dass die Oberfläche des Computerprogramms jetzt mal so bleibt, statt sich immer undurchsichtiger zu verbessern.
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…einen junge, attraktive Menschen statt respektvoll vor der Lebensleistung eher angucken, als wollten wir sie begrapschen.
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(Es gibt noch viel mehr Merkmale des Alterns. Aber man vergisst jetzt ja auch so viel. Und wenn es einem wieder einfällt, stellt sich auch sofort das Gefühl ein, dass das Vergessene eigentlich gar nicht wert war, behalten zu werden.)