Wenn die Straße keinen Weg weiß

Mir scheint es in den meisten Fällen nicht mehr angebracht, von Bürgerbewegungen zu sprechen.
Die meisten Bewegungen wollen nämlich gar nichts bewegen, sondern stoppen.
Mal einen Bahnhof, mal Lärm, Flugzeuge oder Atomkraftwerke oder sonst wie Bebauungen aller, meist ja wirklich scheußlicher Art. Auch das Abholzen muss verhindert werden, der Kohleabbau, eigentlich fast alles Menschsein.
Der Mensch ist in fast allem Mühen eine Plage, was der einsichtige Bürger mittlerweile weiß.
“Und was ist mit einer Bürgerbewegung FÜR mehr Radwege?!”, höre ich die Radfahrenden in ihrer aus dem Rausch der Rechtschaffenheit genährten Dauererregung. Nun, dieses FÜR ist ja auch ein verstecktes GEGEN, denn die Autos sollen die Straße hergeben, weil Autos pfui sind, solange die Radfahrenden keinen Krankenwagen brauchen.

Das Wort „Initiative“ will auf die meisten Bürger-Initiativen jedenfalls nicht mehr recht anwendbar scheinen. Denn es kommt von „initium“ = Anfang und meint eben: einen Anfang machen. 
Aber es ist nirgendwo mehr Platz für Anfänge. Denn überall, wo etwas entsteht, muss dafür etwas verschwinden. Es muss, will die Spezies überleben, sogar mehr verschwinden als entstehen. Projektlosigkeit wiederzuerlangen ist das nächste große Projekt.
Wenn die Initiativen also keinen Anfang machen wollen, weil jedem Anfang heute ein fauler Zauber innewohnt, braucht es dringend ein Gegenwort.

Lateinbasiert böte sich „Finitiative“ an, auf gut deutsch dann eben auch  „Abwürgebewegung“… nein, „Bewegung“ ist schon zuviel. Gründen wir am besten gleich gestern eine „Bürgerverharrung“!
Aus Furcht vor solchen verfolge ich die Sache nicht weiter.