Die Taste, die weg kann

Auch Computertastaturen lassen keine Möglichkeit aus, Menschen zu quälen.
Ein besonderer Gaudi ist es für Designer, die Anordnung der Tasten “Einfügen”, “Entfernen”, “Ende” oder “Position 1” immer wieder anders zu wählen. Ein Tasten-Verwechsel-Dich-Spielchen, das nie langweilig wird. Ich glaube, sie würfeln das jedes Mal gern neu aus.
Aber trotzdem sind das nur kleine sadistische Capricen im Vergleich zur sogenannten Feststelltaste, englisch capslock. Das sie nahezu nutzlos ist, ist sie eine der größten Tasten überhaupt. Sie wird, soweit meine Vorstellungskraft reicht, ausschließlich zum virtuellen Schreien benötigt. Der ich aber nie “ICH HABE RECHT, VERDAMMT NOCH MAL!” brülle, benötige ich dergleichen typografisches Megaphon nicht.
Hervorgegangen ist die Taste einst aus der Feststellvorrichtung für solchen (dort ebenso seltenen) Gebrauch an mechanischen Schreibmaschinen. Der Unterschied ist nur, dass man bei meiner “Erika” eine deutliche Entschlossenheit an den Tag legen musste, den Wagen mit Papier und Walze in der erhobenen Position festzuhaken. Ein versehentliches leichtes Streifen der Taste war an Schreibmaschinen völlig folgenlos. Jetzt sind wir aber im Zeitalter der harten Konsequenz für jedes noch so flüchtige Tun. Bereits die unsanfte Landung einer Stubenfliege kann Walze und Papier hochsetzen, ein etwas zu vorderer Andruck der Shift-Taste reißt den Dämon Capslock mit, und notfalls schaltet er sich auch spontan ein, weil alles viel zu lange schon zu gut ging.
Vielleicht kommt irgendwann ein altersmilde gewordener Konstrukteur auf die Idee, die verfluchte Taste einzusparen.
Aber darauf muss man, zum Glück, nicht warten.
Längst kursieren im Internet Anleitungen, sich der Plage Feststelltaste dauerhaft zu entledigen.
LOHNT SICH!