Die Fremden in meinem Land

Da stopfen sie bedenkenlos jeden hormon-und antibiotikumgetränkten Braten aus der Massentierproduktion in sich hinein.
Auch nennen sie es Feiern, wenn sie kritische Mengen des Zellgiftes Alkohol unbekümmert den Rachen hinunterschütten.
Aber sobald es um eine Impfdosis geht, ist ihr Körper auf einmal wie ein heiliger Tempel, der rein und unschuldig bleiben muss.
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Sie wollen, dass das alles aufhört mit der Pandemie.
Gleichzeitig tun sie alles, damit es nicht aufhören kann.
die alte, blinde Untergangssehnsucht?

brille kurz mal richtig rum

wenn unsereins aus vernunftgründen nicht weiterhin distanz hielte, müsste man eine gerade-denker-demo anzetteln und gegen impfverweigerer demonstrieren.
denn nicht das verlangen von impfen und impfnachweis ist eine beschränkung von freiheit, wie es die lern-immunen schon wieder europaweit auf demos anprangern.
sondern sich nicht impfen lassen ist eine verletzung der freiheit aller, weil es zur weiteren ausbreitung des virus mit den daraus erwachsenden konsequenzen und womöglich noch gefährlicheren mutationen führt, gegen die es dann womöglich sogar keinen impfschutz mehr geben kann.
die vierte welle wird eine diktatur der uneinsichtigen sein.

virensinn

haben viren einen sinn?
ohne corona hätte ich nie erfahren, wie kurzsichtig und naiv viele meiner mitmenschen sind.
wie vernünftig scheinende für quatsch auf die straße gehen.
wie leute, die sonst ungeprüft jeden müll fressen, impfen verweigern.
wie fantasielos viele sind, weil sie sich oft immer noch nicht vorstellen können, was passieren kann.
undsoweiter.
nein, das musste ich nicht so genau erfahren, weil es misanthropie nährt.
die schlimmer ist als ein virus.
mir ginge es besser ohne obenstehende lektionen.
viren haben also keinen sinn.

Selber mutieren?

Immerzu denke ich: wir Menschen, wir müssten doch selber auch mal.
Mutieren.
Womöglich läuft ein Mutationswettlauf um die Weltherrschaft, den wir fälschlich als längst gewonnen betrachten.
Der homo sapiens ist fertig, denken wir, weil wir nur wenige Veränderungen sehen. Dabei könnten wir auch einfach nur zu langsam sein.
Gemessen an unserem Reproduktions-Zeitaufwand gewähren wir den Viren weitaus großzügiger Zeit für Vervielfältigungen als uns selbst.
Bis wir endlich mal eine Mutante hervorbrächten, die vernünftiger, entschlossener, weitsichtiger und dabei vielleicht sogar mitfühlender wäre, ist längst der letzte Baum vertrocknet.
Wir geben uns, wie es derzeit aussieht, die Jahrtausende nicht.
Es ist auch, mit Verlaub, zu wenig Mutationsfreudigkeit unter Menschen zu beobachten. Im Gegenteil. “Ganz der Papa!”, “Ganz die Mama!” freuen sich die den Eltern genetisch Nahestehenden. Sie wollen keine Veränderungen, sondern sich am liebsten im Nachwuchs als 1:1-Kopie ihrer Beschränktheit wiedererkennen. Schon falsch.
Wie wir am Virus sehen.
Es ändert sich hemmungslos.
Sich Ändern bedeutet schließlich Überleben in einer sich ändernden Welt.
Wir Menschen müssten erst einmal auf den Level hinmutieren, der uns das Sichändernmüssen begreifen lässt.
Klempnern lässt sich das an den Genen ganz sicher nicht so leicht. Sich das zuzutrauen wäre wahrscheinlich nur ein weiterer Beleg für die Unreife.
Wir müssten auf Variationen warten, die besser sind als wir.
Nur ist dieses unter all dem Warten derzeit nicht dabei.

Als wir uns fesseln ließen

Irgendwie war früher weniger Verfassungsgericht.
Die Verpflichtung zum Sicherheitsgurt im Auto wurde, soweit ich mich erinnere, klaglos hingenommen.
Und nicht als Gesundheitsschutz für ein paar Wochen, sondern für immer und ewig.
Obwohl nichts weniger vom Bürger verlangt wurde als sich selbst zu fesseln.
Freilich erweckte die Bandage den Eindruck, als schütze der Angebundene eher sich selbst als Andere, was dem Gurt einen erheblichen Akzeptanzbonus eingebracht haben dürfte.
Aber bei der Begrenzung der Promillezahl ging es doch ziemlich hart ans eigene ‘Zum Wohl!’.
Und nichts schien trotzdem mehr zu beunruhigen als der unschuldige Tod jener, die vom Besoffenen angefahren würden.
Der saufende Fahrer selbst war dem Gesetzgeber da eher egal.
Ein paar Diskussionen gab es deshalb dann schon, etwa um 0,7 oder 0,5.
Aber schlussendlich fügten sich Millionen Wein-und Whiskykenner ohne Torkelgang nach Karlsruhe der staatlichen Spaßbremse! Nix mit ‘Mein Bauch gehört mir’ bei den zahllosen Bierfreunden! Nicht mal zuhause durfte man vor der Fahrt noch einen zischen! Und dass da draußen vielleicht nur einer von hunderttausend Besoffenen einen tot fährt, wurde nicht einmal gegengerechnet. Die Intensivstationen wären auch mit einem doppelten Andrang noch gut klar gekommen, also so what?
Gar nicht anfangen will ich mit den Leitplanken, die plötzlich rechts und links die freie Fahrt einengten.
Oder mit der Helmpflicht für Motorradfahrer, die das Recht auf freien Kopfputz aufhob, auch für immer.
Mit dem Verbot des erfrischenden Abendspaziergangs für einige Wochen, um nichts weiter als die Überfüllung von Intensivstationen zu vermeiden, auf denen sowieso jeder zweite stirbt, könnte nun der Staat aber denn doch zu weit gehen.

Wortwechsel

Liebes Astra-Zeneca-Team,
ich verstehe Ihr Image-Problem.
Eigentlich müssten dieses beispielsweise auch Airlines haben, wenn man die Thrombosefälle bei Langstreckenflügen gegenrechnet. Aber für das Vergnügen nehmen die Menschen weit unbekümmerter Risiken auf sich.
Eine Namensänderung ist natürlich schon mal gut.
Allerdings setzen Sie mit “Vaxzevria” nicht unbedingt auf Akzeptanz in der Zielgruppe der Legastheniker. Wer war eigentlich die Heilige Vaxzevria? Der Name klingt ja eher nach den Damen, die mich andauernd bei Facebook kennenlernen wollen. Aufklärung!
Oder spekulieren Sie, dass Ihre Kritiker das Wortungetüm nicht über die Lippen bekommen und Sie deshalb aus der Schusslinie der Kritik kommen? Das Synonym “dieser Impfstoff mit dem komischen Namen” läuft ja auf Dauer sicher nicht. Oder aber setzen Sie auf den Prince-Effekt mit Kultstatus: “The vaccine former known as Astra Zenica”?
Sprachregelungen folgen Medien gern penibel, weil sie die Aura der Sorgfalt und Achtsamkeit wahren wollen. Aber Zungen scheitern immer öfter an den Zahnspangen der Korrektheit.
Noch belastender für das Firmen-Image ist es sicher, mit dem Impfstoff fortan als Rentner-Elixier abgestempelt zu sein. Kein Produkt will nur 60+ als Kundschaft. In der Werbung kann man die 60+-Modelle freilich wie 50+ aussehen und wie 10+ sprechen lassen.
Aber mit der Karriere als “heißer Scheiß”, der international verschoben wird wie Kokain, ist es aus.
Und neue Namen können wir von 60+ uns sowieso noch schwerer merken als die Jüngeren.
Im hiesigen Ballungsraum Berlin/Brandenburg prophezeie ich deshalb eine Karriere als “det Korona-Zeuch für die Ollen”.
Immer noch besser als “Vaxzevria”.

Datenloses Zusehen

Grundsätzlich sind die meisten Menschen auf hemmungslos exhibitionistische Weise auskunftsfreudig.
Was wollte ihr wissen? Los, macht schon!
Wo ich gerade bin? Wo ich vorher war? Wohin ich sonst gern gehen? Was das für ein Gerät ist auf meinem Schreibtisch?
Wenn diesen Fragen der niedliche Satz “Ihr Datenschutz ist uns wichtig!” vorangestellt ist, geben die Meisten oft und gerne Auskunft, indem sie die gottverfluchte Cookie-Frage bejahend wegklicken.
Cookies – Kekse, wie süß.
Nur wenn der Staat fragen will, werden sie schmallippig.
Komisch, der will mir doch gar nichts verkaufen.
Der handelt doch gar nicht mit meinen Daten.
An mir wird doch gar nichts verdient. Da muss was faul sein.
Null Keks dem Staat!
Das traditionelle und über Epochen berechtigte Misstrauensverhältnis ist ein hochgestörtes, was jetzt schadet. Der Staat muss sich momentan so deutlich wie lange nicht als Ausdruck der Gemeinschaft bewähren, die gemeinsam ein verhängnisvolles Virus bekämpft. Stattdessen sieht sich der Bürger keinem Bündnispartner zur Seite, sondern der ewigen Obrigkeit gegenübergestellt.
Eiertanz um den Datenschutz, Ausspähen des “Erlaubten”, als würde eine Seuche Geschenke machen, die der böse Staat verweigern will.
Wenn es Daten gibt, die dringend und umfassend gespeichert und ausgetauscht gehören, sind es Gesundheitsdaten. Doch nach jeder Überweisung geht es bei der Befragung von vorne los. “Wird hier gar nicht kommuniziert?”, fragt man sich. Da lachen ja die Cookie-Dealer.
Pandemie ist ein Hochfest des Konjunktivs.
Was wäre, wenn wir hätten.
Eine konsequente Kontaktverfolgungs-App.
Doch daraus kann nichts werden, solange kein Vertrauen da ist.
Verfolgungswahn steht gegen Verfolgungsbedarf.
Das Rennen ist beängstigend offen.

Last call to hell

Die Aussicht, dass durch zunehmende Impfstoffmengen die Corona-Pandemie im Sommer vorbei sein könnte, hat allerlei hektische Aktivitäten ausgelöst, um das sich abzeichnende Ende in letzter Minute noch abwenden zu können.
Tausende Urlauber strömen auf eine spanische Insel, um gemeinsam mit den Einheimischen und anderen Gästen vielleicht doch noch rechtzeitig die so genannte Mallorca-Mutation hinzubekommen, die an Ansteckung, Tödlichkeit und vielleicht sogar Impfstoffresistenz die bisherigen übetreffen kann.
Eure Inzidenzien, die Bischöfe der Kirchen, rufen zu Präsenzgottesdiensten, um Gott die Geißel nicht voreilig aus der Hand zu schlagen.
Feiern wir Ostern nicht die Auferstehung? (Frage für ein Virus).
Wer will schon die lieb gewonnenen Masken fallen lassen und wieder aussehen, wie er aussieht? Wie den drohenden wieder ausufernden Familienfeiern ausweichen? Wie dem alten, fast schon vergessenen Einkaufsstress zu Weihnachten?
Die Arbeitswelt wird für Viele rauher, denn bald heißt es Durcharbeiten im Büro und Durchschlagen durch nervigen Pendelverkehr.
Und Klopapierreserven verrotten sinnlos im Schuppen.
Wie schließlich soll künftig freier Bürgersinn gelebt werden, wenn die Regierung alles wieder erlaubt? Wer quer denkt, will nicht vorwärts.
Deutsche haben auch keine Lust, Partner der Regierung zu sein. Das “Die da oben!” könnte Schaden nehmen.
Und am Ende stehen noch teure Intensivbetten unbelegt herum.
Die Lage war nie so unverzweifelt wie jetzt: selbst Impfszenarien, die verschlafenste Politiker einberechnen, denen man auch noch die Provision aus den Händen schlägt, sagen eine mögliche Durchimpfung bis zum Sommer voraus.
Dann wäre es aus und vorbei.
Es muss schnell und unbedacht gehandelt werden.

Der Fluch des Unwortes “Lockerung”

Schon einmal hatte ich vor dem untauglichen Begriff der “Lockerung” gewarnt, aber als Kassandra von Wildenbruch ist das Unerhörtsein mein Schicksal.
Wenn nicht falsches Wortverständnis zu falschen Entscheidungen führen würde.
(Was Macht und Ohnmacht von Worten zeigt.)
Das Wort “Lockerung” suggeriert eben leider, dass man die Zügel im Kampf loser hielte. Aber, beispielsweise, ist ein Konzert vor tagesaktuell negativ Getesteten eben keine Lockerung, sondern anhaltend konsequente Hygiene, ebenso wie das kontaktlose Beziehen einer Ferienwohnung.
(Letzteres würde sogar die Begegnungsdichte in den Städten verringern, den sozialen Abstand vergößern, müsste also eher gefördert werden.)
Freiheitsräume, die keine Infektionsgefahr darstellen, darf man nicht als Lockerungen geradezu verleumden.
Auch das Geimpfte Hotelbetten buchen, ist, weil null Hygieneverlust, keine “Lockerung”, sondern ein infektionsneutraler Vorgang und eine Unterstützung der Gastronomie und Hotellerie.
Die echten Lockerungen sehe ich täglich, wenn mir Supermarkt-Kunden auf die Pelle rücken oder ich Gruppen maskenlos an der Schule rumhängen sehe.
Wo das Hirn locker sitzt, hüpft das Virus.
Wahrscheinlich werden auch aus Furcht vor Lockerungen die Impfpläne nicht gelockert, selbst, wenn ungenutzte Dosen herumliegen.
Wir sollten uns begrifflich lockern.

Die zehnte Welle (Impressionen)

Es ist 2024 und es gibt gute Neuigkeiten.
Der Impfstoff von “Klosterfrau Melissengeist” scheint auch gegen die Kasseler, Elberfelder, Plauener und ein paar ausländische Mutationen wirksam zu sein.
Trotzdem steigt die Inzidenz, wahrscheinlich durch die erlaubten Treffen von einer Person mit einer Person oder einem Haustier aus mehreren Haushalten, vielleicht aber auch nur, weil Tausende in vollen Zügen zur Arbeit pendeln.
Frisöre dürfen auch Kinder unterrichten.
Das Impftempo, so der Kanzler, müsse an Fahrt aufnehmen, weswegen er für die schnellstmögliche Zulassung des nordkoreanischen Vakzins “Geimpfter Führer” plädiere.
Die Gesundheitsministerin appellierte an die Hausärzte, die zugeteilten Impfdosen nicht als Schaustücke in der Vitrine aufzubewahren.
Die Dauerausstellung “einstige Bäderkultur an der Ostsee” kann mit einem Soforttest vom selben Tage besucht werden. Der Tourismus ist nun auch offiziell “immaterielles Weltkulturerbe” der UNESCO.
Auf ihrem jüngsten maskenfreien Bundestreffen haben sich die Querdenker kurz vor Eintreffen der Wasserwerfer in Diagonal- und Im-Kreis-Denker gespalten. Einig war man sich lediglich in der Ablehnung der Zuvieldenker.
Die Lokalzeitung berichtet von einem Mann, der seit 2020 die gleiche Atemschutzmaske trägt. Auf ihr wächst bereits Moos.
Die Grünen begrüßen das.