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Kategorie: Corona

Die Null-G-Idee

Die Idee wäre eine simple: wenn man die letzten Gesunden vor den sich heranwälzenden Legionen der Omikron-Verkeimten schützen will, lohnte es sich dann nicht, gastronomischen Einrichtungen die Wahl zu überlassen, ob sie ausschließlich akut negativ Getestete oder ausschließlich Infizierte hineinlassen dürfen?
(In beiden Gruppen tummeln sich ja neuerdings die Geimpften.)
Die Infizierten-Kneipe wäre das Novum.
Noch infizierter als infiziert geht ja praktisch nicht – dann könnten doch die Fiebrigen einander auch hemmungslos zuprosten, ohne dass alles noch schlimmer wird.
Je nach Befund ginge es also entweder in den elitären Club der Omikron-Unversehrten oder an die Siechen-Bar.
Und kein Zetern mehr über entzogene Freiheiten oder Umsatzeinbußen!
Jedenfalls nicht bis zur nächsten Variante.

Maskierte Bilder

Als wir das (optimistisch gerechnet) erste Achtel der Pandemie für das letzte Drittel gehalten hatten, fiel es mir schon auf. Jetzt wird es mir langsam zum Rätsel:
Mit größtem Hygieneaufwand bei den Dreharbeiten wird anhaltend vermieden, dass Corona in Filmen vorkommt.
Natürlich steigert eine Atemschutzmaske nicht die Ausdrucksstärke von Darstellern, aber ihr Fehlen macht Gegenwartsfilme zu Fantasy, zu Gegenwart ohne Gegenwart.
Es gibt Ausnahmen wie die Serie „The Morning Show“, die sogar neu nachgedreht hat, um die Pandemie zu thematisieren. Aber wenn Ausnahmen als Ausnahmen wahrgenommen werden, bestätigen sie die Regel.
Corona kommt so wenig in Gegenwartsfilmen vor wie die Pocken in Mittelalter-Epen.
Doch warum nur?
Selbst in Krimis wird weiterhin an ganz Anderem gestorben als an Covid, und in Krankenhausserien werden brav Knochenbrüche und Nierenkoliken behandelt. Ein Bett ist immer frei. Das Personal hat Kraft und Muße für Seitensprünge und Intrigen. Man möchte sie alle aus der Narkose wecken.
Muss man sich schlussendlich darüber wundern, dass Menschen immer schwerer mit der Situation klarkommen, wenn ihre Befindlichkeiten im Gegenwartsfilm nicht vorkommen?
Die Filme ohne alle Masken sind wie maskiert. Coronaleugner 2.0.
Anfangs nahm ich an, es ginge nur darum, die Filme auch nach einem Jahr, wenn halt alles vorbei wäre, bestehen zu lassen. Aber sie können nicht bestehen, wenn sie nicht gültig sind. Und nichts geht vorbei.
Mittlerweile sieht es aus wie die uralte Wirklichkeitsflucht des Kinos in heile Welten. (Auch die scheinbar unwirtlichen Welten in Krimi und Horror zählen dazu, weil ihr Horror für die Zuschauer wohltuend fern bleibt.)
Vielleicht aber ist alles auch nur einfach Feigheit und Bequemlichkeit. War schon immer ansteckend.

Der Besinnlichkeits-Motor stottert

Noch nie kämpften Kerzenschein und Glitzerklang so verzweifelt um jenen Zustand, den man Besinnlichkeit nennt.
Obwohl dieser Zustand das Besinnen in Wahrheit lieber abschalten möchte für ein weggetretenes leckmich-Feeling.
Ein Zustand, der sich so sehr darin gefällt, ansteckend zu sein.
Nicht zum ersten Mal sinkt die Weihnachtsinzidenz rapide.
Es gab zum Beispiel Jahre, da war der Dezember so mild, dass einem der Glühweinstand wie blanker Hohn vorkam.
Noch früher gab es Krieg, wo man der Überlieferung zufolge, vor der Besinnlichkeit kapitulierend, über Schützengräben hinweg mit dem Feind gemeinsam gesungen hatte.
Das gibt es diesmal nicht.
Das Virus singt nicht mit.
Wer heuer nach 2-G-Check den letzten vor Bundesnotbremsen geretteten Weihnachtsmarkt betritt, wertet ein alkoholisches Heißgetränk höchstens als zusätzliche Desinfektion.
Die Engelein scheinen vom Tannenbaum herab zu drohen, dass man sie bald persönlich treffen könnte.
Die Kugeln am Baum gemahnen an die Form des Erregers. Bis auf die mutierenden Puschel.
Knabenchöre wirken gefährlich aerosol-belastend.
Die Werbung für das große Jahresendkaufen kokettiert mit dem Lockdown. Eilet herbei, bevor ihr wieder besorgt Klopapierrollen abzählt!
Sicher gibt es einzelne Querfühlende.
Manche empfänden Kontaktbeschränkungen als willkommene Ausrede, anstrengende Besuche absagen zu dürfen und dadurch die Geschenke-Munitionierung abzurüsten.
Andere aber, vielleicht sogar die meisten, würden sich so gern der gewohnten süßen Sedierung zum Jahresausklang hingeben wie ein Verzweifelter an die Opiumhöhle.
Das Fernsehen boostert, so gut es kann, mit weihnachtlichen Estraden.
Der Supermarkt stellt tapfer Süßwarenregale in den Weg.
Der Nachbar beleuchtet sein Haus so heftig, dass es selbst Greta die Tränen in die Augen treiben würde.
Mehr könne man doch nicht tun.
Heißt es auch diesmal.
*
P.S.: für den Stimmungslevel kommt dieses Jahr wenigstens das hier aus meiner Hörspiel-Manufaktur:

Die Zuspitzung spitzt sich zu

Täglich wird derzeit die Zuspitzung der Lage vermeldet.
Leider habe ich in meinem Leben bereits eine beachtliche Immunität gegen diese Floskel entwickelt.
In meinem übrigens an Zuspitzung zugrunde gegangenen früheren Land wurde unentwegt darauf verwiesen, dass sich im benachbarten Kapitalismus die Widersprüche zuspitzen würden.
Dies stärkte allerdings nur unbeabsichtigt die Bewunderung für den Kapitalismus, dem es trotz dieser Entwicklung immer noch erstaunlich gut ging. Die Zuspitzung schien außerdem endlos zu sein, als würde die Spitze der Widersprüche sich immer mehr verjüngen, bis sicher kein Floh mehr auf ihr würde sitzen können.
Manche Agitatoren verließen sich daher nicht mehr auf das Bild und sprachen einfach davon, dass die Lage ständig zunähme. Wie ein Topf, der irgendwann überläuft. Aber selbst das Überlaufen nahm damals eine andere Richtung.
Psychologisch führt eine zu lange Zuspitzung irgendwann zur Abstumpfung.
Die Abstumpfung kann sich sogar zur Ignoranz zuspitzen.
Und geradezu verhängnisvoll ist, dass die Floskel reflexiv ist: die Lage spitzt SICH zu, wie ein Bleistift, ohne angespitzt zu werden. Bei genauer Betrachtung aber gibt es immer Menschen, die durch ihr Tun, besonders aber durch ihr Lassen für alles verantwortlich sind.
Heute haben wir es leider nicht mit einem gemütlichen ideologischen Systemvergleich zu tun, den man endlos eifernd bemühen kann, sondern mit einem verbal gar nicht argumentierenden Virus. Es begegnet allem Alarm-Mimimi einfach mal mit einer neuen Mutation, und ich warte stündlich auf die Schlagzeile, dass sich damit die Lage zuspitzt.
Das Boostern der Besorgnis.
Dass sich hingegen Denken und Handeln zuspitzen, wird, wohl im Bewusstsein der Übertreibung, nie gemeldet.

Krisen-Körner 5

Die freiheitliche Aufklärung beschwor einst die Vernunft.
Heute beruft sich die Unvernunft auf die freiheitliche Aufklärung.
*
Immer noch begegnet man der Auffassung, dass mit einem Virus Freiheitsrechte diskutiert oder verhandelt werden können.
Was soll es noch anstellen, dass man ihm die Verweigerung glaubt?
*
Virenmutationen erzwingen Parteimutationen.
*
Die Impfpflicht wird als Zumutung empfunden. Warum nicht die Straßenverkehrsordnung? Weil sie nicht in den Körper eingreift? Ihr Fehlen täte es.

Was geschehen müsste, aber nicht geschieht

“Pfleger” wird wegen der geilen Bezahlung ein Job, um den man sich reißt.
*
Ein Impfstoff macht immun.
*
Querdenker denken geradeaus.

Vom Untertan zum Trotzkopf

Wenn die Erwachsenen im Festsaal der Gaststätte meines Geburtsdorfes feierten und nach den steifen Rhythmen der Dreimannkapelle tanzten, kamen manchmal Nummern, bei denen man es fast mit der Angst bekam.
“Wir lassen uns das Singen nicht verbieten, Das Singen nicht und auch die Fröhlichkeit.”
Es klang vom Text wie eine Drohung und von der Musik wie ein Militärmarsch.
Die mitgrölten, hätten uns Jungen damals gern verboten, die Haare lang wachsen zu lassen, aber das nur am Rande.
Immerhin wirkte dieses so genannte Stimmungslied kontrastierend zum Untertanengeist, den man gern im Deutschen feststellt.
Er scheint, beschaut man nun das Karnevalstreiben, davon geheilt zu sein, so bald er Geselligkeit und Umtrunk wünscht.
Man lässt sich das Ignorieren nicht verbieten.
Ein bisschen Kontrollbudenzauber, und alles ist schick.
Untertan bleibt man am Rhein freilich dem Kalender, auf dem nun mal Fröhlichkeit eingetragen ist zum 11.11.
Da wird gehorcht.
Verweigert wird hingegen die Realität.
Das Ergebnis: am deutschen Wesen ist bei Corona kein Genesen.

*
Irgendwie auch prophetisch,der DEFA-Film von 1948 „1-2-3 Corona“:

Erneutes Interview mit einem Virus

Blogger: Wir haben uns lange nicht gesprochen. Es ist auch gar nicht so leicht, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.

Virus: Mit einem Virus kann man ja eigentlich überhaupt nicht reden. Aber bei Ihnen mache ich eine Ausnahme.
Ich muss auch gleich weiter, mein Comeback ist ja triumphaler als das von ABBA!
Eine Zeitlang dachte ich, dass sie mich jetzt am Kragen haben mit den Impfstoffen, aber…

Blogger: Die Impfdurchbrüche!

Virus: Oh, ich zehre mehr von den Vernunftdurchbrüchen!
Danke an all jene, die meinen, eine durchbrochene Wand sei keine Wand!
Schon sind die Intensivstationen besser gebucht als Malle im August! Niemand hat die Absicht, gegen mich eine Mauer zu errichten! Die Freiheit siegt!

Blogger: Sind Sie nicht beleidigt, wenn manche immer noch Ihre Existenz oder Gefährlichkeit leugnen?

Virus: Alle, die meinen, mich gibt es nicht, sollen wissen, dass ich ihnen danke!
Aber auch all jene, die die Maske nicht über die Nase kriegen und die einen Meter fünfzig für eine Modellbahnspurweite halten! Danke an jene Gastronomen, die nicht einmal nach Impfung oder Test fragen! Nichts ist so niedlich wie ein dort aufgestelltes, einsames Desinfektionsfläschchen auf dem Beistelltischchen!
Es lebe 3G: geleugnet, genervt, gelassen!

Blogger: Nun ist genug gedankt. Sie sind ja schlimmer als ein Politiker in der Wahlnacht.

Virus: Meines Wissens bin ich derzeit die einzige Regierung in Deutschland. Quasi Merkels Nachfolge.
Kein Politiker sonst traut sich, etwas gegen mich zu unternehmen, was den Unmut der Anzusteckenden weckt.

Blogger: Einen erneuten Lockdown?

Virus: Absolut nicht weihnachtskompatibel. Außerdem dürfte die Kurzarbeit-Kasse leer sein. Und das Schlimmste ist…

Blogger: Die Todeszahlen steigen?

Virus: Viel schlimmer: die Zulieferer liefern nicht mehr zu! Der Kapitalismus hat Atemnot! Da muss diesmal das Sofa im Homeoffice leer bleiben. Jajaja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt!

Blogger: Das ist unhygienisch!

Virus: Würde ich es sonst vorschlagen?
*

Dieses Viren-Interview-Hörspielchen aus dem januar hatte ich mal aus der Homepage herausgenommen, als die Impfstoffe kamen.
Jetzt ist es, für anhaltend aktuell befunden, wieder drin.

Leicht gesunkenes Nachdenken

Wenn “Inzidenz leicht gesunken” gemeldet wird, lehnen sich alle zurück.
Der Impfdruck lässt nach.
Die vorsorglich wieder angeworfene Was tun?-Nachdenke-Maschine wird augenblicklich in den Leerlauf zurückgeschaltet.
Es scheint nicht mehr so fahrlässig zu sein, dass so viele Lokalitäten mein Impfzertifikat nicht sehen wollen.
Im Kontext von Covid-19 von “Aufatmen” zu sprechen, klingt allerdings zynisch.
In Osteuropa springen auch die Sterbezahlen nach oben. Querdenken ist dort die Norm. Aber Osteuropa schert hier schon immer wenig. Dabei ist Spanien viel weiter weg als Rumänien.
Wenn “Inzidenz leicht gesunken” gemeldet wird, ist es ähnlich wie mit dem Nachdenken über den Klimawandel, sobald normales Novemberschmuddelwetter herrscht.
Der Mensch braucht zum Denken das Erschrecken.
Diese Tatsache schreckt ihn nicht.