Demnächst auf der Wippe

Das so genannte Freiheits-und Einheitsdenkmal, derzeit im Bau, wird eine begehbare Skulptur: wenn sich auf einer Schalenhälfte mindestens zwanzig Personen mehr zusammenfinden als auf der anderen, beginnt sich die Schale langsam und sanft zu neigen.
Da gerade die Finanzierung endgültig geklärt werden konnte, kann sich auch kurz nach der Eröffnung die folgende unvermeidliche Szene ereignen.

Stimme von der einen Seite: He, ihr müsst hier rüber kommen, sonst wippt die Wippe nicht!

Stimme von der anderen Seite: Und wieso wir? Kommt ihr doch rüber!

Stimme von der einen Seite: Wir waren zu erst da, und wir sind mehr!

Stimme von der anderen Seite: Und wir sind dicker! Wir leisten die meiste Wipparbeit!

Stimme von der einen Seite: Es kann nur nach der Mehrheit der Wipper gehen!

Stimme von der anderen Seite: Muss es nicht “Wippende” heißen?

Stimme aus der Mitte: Regt euch doch nicht auf. Vielleicht wippt die Wippe überhaupt nicht und ist nur eins von diesen leeren Versprechungen der Regierung.

Stimme von der einen Seite: Wehe, es wippt nicht!

Stimme aus der Mitte: Die wollen doch nur, dass wir wippen! Wacht auf! Sie wollen uns wippend, damit wir damit beschäftigt und abgelenkt sind!

2. Stimme von unten: Ich will aber das Wippen, das mir zusteht! (springt erregt hinauf)

Stimmen sowohl von der einen wie anderen Seite: Hilfe, die Wippe ist voll!

Stimme von unten: Ihr macht die Wippe kaputt!

Stimme von der anderen Seite (nach unten): Selber nicht mitwippen und große Reden schwingen, typisch!

Stimme aus der Mitte: Die Wippe muss weg! Die Wippe muss weg!

Stimme von der einen Seite: RUHE AUF DER WIPPE!

Stimme von der anderen Seite (beiseit gesagt): Ich glaube ich weiß, wie man sie kaputtmachen kann. (laut:) Wollt ihr das totale Wippen!

Es entsteht ein anhaltender Tumult, der schon bald zur touristischen Attraktion der Hauptstadt wird.