Das süße Ende

Womöglich bin ich einer ganz großen Verschwörung auf den Fersen, aber wie so oft fällt mir nicht ein, wem das Ganze nützen soll. Und eine Verschwörungstheorie ohne heimliche Profiteure im Hintergrund ist noch unglaubwürdiger als eine mit.
Egal, ich spüre jedenfalls eine dunkle Macht, die mir immer eindringlicher suggeriert, dass Gemüse süß sein muss.
Zuerst hatten sie im Supermarkt den Paprika mit “herrlich süß” beworben. Okay, dachte ich, es gibt verschiedene Richtungen beim Paprika.
Aber heute nicht mehr.
Scharfer Paprika ist verschwunden.
Früher gab es immer welchen aus dem immerhin EU-Freihandelspartnerland Ungarn, aber entweder behält Orban jetzt alles für sich (Hungary first!) oder die marokkanisch-spanische Paprikamafia bewacht die ungarische Grenze. Oder beides.
Der Paprika hat mittlerweile (als Ziel?) erreicht, herrlich nach gar nichts zu schmecken. Geschmacklose Nahrung (Achtung, noch eine Verschwörungstheorie!) bereitet die Menschen, unke ich mal unverbindlich, auf den anorganischen Nahrungsersatz von morgen vor.
Als “herrlich süß” (gibt es auch ein “unherrlich süß”?) werden neuerdings auch Tomaten und sogar kleine Gurken beworben. Süße Tomaten würde ich nicht mal bei Covid-19-Geschmacksverlust in den Salat tun.
Aber süß können die Verschwörungsbauern wahrscheinlich am besten.
Als nächstes werden sicher die Zwiebeln nach Marzipan und der Spinat nach Nougat schmecken.
Bis man konsequenter Weise zwischen Marzipan und Nougat nicht mehr wird unterscheiden können.
Zuletzt wird das Personal mit “herrlich süß” etikettiert.
Damit kämen vielleicht die ersten Zweifel auf.