Das haben wir geguckt? Das haben wir geguckt!

Merkwürdige Erinnerungskorrekturen, wenn eine dieser ollen ZDF-Hitparaden mit Dieter Thomas Heck aus den frühen Siebzigern wieder zu sehen ist.
Am meisten erstaunt, wie viele komische Leute außer Heck, Sänger, Tonsklave Reiner und Publikum überall noch so herumstehen. Wer hatte die reingelassen? Einige darunter mit ausgesprochenem Anschlagsplanergesicht. Gehen rein und raus und durchs Bild, ohne dass irgendein Zugriff erfolgt. Hab mal gelesen, dass Heck während der Sangesdarbietungen in der Ecke rauchte oder hinten schnell ein Bier zischte.
Und diese Lotterbude war uns im Osten ein Glamourpaket? Eine Desperado-Versammlung, wie wir sie bald an jeder Currywurstbude würden antreffen.
Und schau an: roboterhaft klatschten sie auch auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs und versuchten für ein, zwei Sekunden der Tristesse des Alltags zu entkommen, indem sie in die Kamera winken.
Merkwürdig, dass ich mich nicht losreißen kann. Sonst bin ich der schnellste Zapper östlich von Mainz, aber ich versuche noch weiter zu verstehen, warum es nicht als asozial galt, solcherlei triviale Turniere zu verfolgen.
Und völlig unlogisch die grinsende Verbeugung nach einem gesungenen Lippenbekenntnis von Liebeskummer. Stalker stürzen mit Blumensträußen herbei. In vielen Sängergesichtern der Fußabdruck der Kleinstadtmugge.
Das haben geguckt, im Westfernsehen.
Man sollte ständig, vierundzwanzig Stunden lang auf einem Kanal das ganze Fernsehen von gestern zeigen, damit wir uns ab und zu über uns wundern.