Irgendwas mit Medien -5-

Sollte es Dopingkontrollen nach Pressemitteilungen geben?
Das denke ich ja oft.
Obwohl mir von den Radionachrichten sanft vorgetragen, schlug es mir heute ins Gesicht wie ein Fausthieb im olympischen Boxfinale.
Gelegentlich der Übernahme des Verlages von Gruner und Jahr verlautbarte RTL-Chef Rabe in einem rhetorischen Blutrausch, dass nun “ein crossmedialer Medien-Champion” gebildet würde.
Ein Champion, der, mit Verlaub, noch gar nichts gewonnen hat.
Ist man neuerdings schon Champion vor dem Spiel?
Selbsterfüllende Prophezeiung oder Begrüßungslüge?
Rabe setzte für den Fall, dass jemand am Triumph seines Willens zweifeln könnte, noch einen drauf.
Ein “journalistisches Powerhouse” würde nun entstehen, und die sanfte Nachrichtenstimme des MDR konnte meine Furcht nicht mildern, denn das war ja nun schon der Tonfall von Bekennerschreiben und Kriegserklärungen.
(Während es das Ziel eines Medienunternehmens sein sollte, attraktive Inhalte anzukündigen… nein, ist es nicht.)
Ließe sich das Ganze überhaupt noch steigern beim nächsten geschluckten Verlag?
Mein Vorschlag wäre schon mal: “publizistischer Todesstern”.
Oder wenigstens “omni-ultra-hyper-crossmedialer Thermomix”.
Vorsichtshalber schon mal alles ausgemacht, wo RTL rauskommen könnte.

Irgendwas mit Medien -3-: Schnee

Ein harter Wintereinbruch geht auch immer mit sprachlichen Verwehungen einher.
Als erstes kommt immer das falsche Versprechen, irgendeine Region würde “im Schnee versinken”. Das ist physikalisch natürlich kompliziert, denn sie ist nur von Schnee bedeckt und die Gebäude haben ein Fundament, das sie nur wenig in die Tiefe gleiten lässt Das Versinken markiert aber kraftvoll etwas, das Medien gern in Verbindung mit Katastrophen zelebrieren: die Verkündigung der menschlichen Ohnmacht. Wer versinkt, kann ein bisschen strampeln, mehr aber nicht. Menschen, das hat mir schon an der Uni mein Psychologie-Dozent beigebracht, lassen sich vor allem durch das Wachrufen zweier Emotionen erregen: Hoffnung und Verzweiflung. Das Versinken bedient diesen Mechanismus.
Zum Ohnmachtsbekenntnis gehört auch die inflationäre Verwendung des Wortes “Chaos”. Bei den alten Griechen, bei denen es selten geschneit hat, war das Chaos zunächst ein leerer Raum. Bei Hesiod ist es der Urzustand der Welt. Die hebräische Bibel bevorzugt den Begriff “Tohuwabohu”, der auch gern mal in Verbindung mit der Deutschen Bahn gebracht wird. Allerdings sind Zugausfälle und Verspätungen nur schlappe Vorübungen zum Chaos oder Tohuwabohu – dazu müssten sich die Züge wenigstens kreuz und quer übereinander geworfen haben, Räder nach oben, mindestens.
Die Übertreibung ist die Mutter der Einschaltquote. Deswegen muss es bei der “Welt” “das größte Schneechaos seit Jahren” sein. Was ist eigentlich der hier vorausgesetzte Plural von “Chaos”? Chaotische Sprachverwirrung!
Selbst der gerade extrem oft verwendete Begriff “extrem” scheint für maximal minus 15 Grad doch leicht übertrieben, jedenfalls aus der Sicht der Bewohner Nordsibierens, wo sie bei minus 40 Grad noch zur Schule gehen, längst versunken im Schnee.
Der “Focus” dichtet im Libretto-Stil eines Richard Wagner “Wetter-Wahnsinn”. Konsequent fortgeführt könnte da stehen: “Wogen weißen Winters wallen westwärts, wehe, wehe, Wagen und Weichen!”
Möge es so schlimm nicht kommen, wie es in der Zeitung steht!

Irgendwas mit Medien -1-

Mittlerweile ist es investigativer Journalismus, eine Überschrift fehlerfrei hinzukriegen.
Nachdem ich da schon Einiges geschluckt habe, fang ich mit dieser Perle das heute mal als kleine Reihe an:
Über-Überschrift heute: Neuer Besen im Kanzleramt.

Irgendwas mit Medien -1-

Mittlerweile ist es investigativer Journalismus, eine Überschrift fehlerfrei hinzukriegen.
Nachdem ich da schon Einiges geschluckt habe, fang ich mit dieser Perle das heute mal als kleine Reihe an:
Über-Überschrift heute: Neuer Besen im Kanzleramt.