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Kategorie: Irgendwas mit Medien

Irgendwas mit Medien -8-

Dass ich das noch erleben muss!
Tippfehler in der 20-Uhr-Tagesschau.

Kommt übrigens ersichtlich davon, dass keiner mehr Zehnfingertechnik lernt, sondern wahrscheinlich mit den Mittelfingern Stockfehler hat.
Oder knibbelt der Praktikant das dort schon auf dem Smartphone?
Die Zeiten, da sich mir Menschen damit rühmten, Zehnfingersystem gelernt zu haben, scheinen vorbei.
Niemand hat heute Respekt vor Lernleistungen.
Es zähle, tönt es, nur das Ergebnis.
Nur gibt es immer öfter keins.

Irgendwas mit Medien -7-

Für die Einen ist es ein Comeback…

..für YouTube eine Auferstehung.

Irgendwas mit Medien -6- Aufräumjournalismus

Immer stärker sind Journalisten, statt Neuigkeiten zu verbreiten, damit beschäftigt, Falschmeldungen und erfundene Verschwörungen zurückzuweisen. Meist nennt sich das “Faktencheck”, aber es ist nur ein Aufräumen einer immer blütenreicheren Spielwiese.
Nein, es sei keine zweite Pandemie geplant, muss klargestellt werden. Nein, es liegen vor allem Ungeimpfte auf den Corona-Stationen und ‘das Internet’ hat den falschen Bogenschützen verdächtigt.
Zusammen kommen bei den meisten faktencheckbedürftigen Meldungen Wirklichkeitsverweigerung und Selbsterhöhung zu unglückseliger Paarung, was dazu führt, jeden Käse aus undurchschaubaren Quellen zu glauben.
Die These “Wir werden ständig belogen” wird zu einer Kuschelecke, in welcher sich die Medienflüchtlinge einander gesunden Menschenverstand versichern, was immer als angenehm, weil überlegen empfunden wird.
Überlegenheitsgefühle gehören allerdings zu den gefährlichsten des Menschen, weil sie verwendbar sind.
Dazu kommt oben drauf noch der latente Wunsch, alles möge doch ganz anders sein, denn, wie es ist, ist es nicht schön.
Sicher werden, wenn wohl demnächst neben dem Alkohol weitere Drogen legalisiert werden, noch bizarrere Nachrichten erfunden werden. Die Headline “Kiffen verstärkt Fakenews” hau ich schon mal raus. Faktencheck muss aber noch warten.
*
P.S.: das Thema inspirierte mich zu einer losen Kurzhörspielreihe.
Folge 1 ist online:

Irgendwas mit Medien -5-

Sollte es Dopingkontrollen nach Pressemitteilungen geben?
Das denke ich ja oft.
Obwohl mir von den Radionachrichten sanft vorgetragen, schlug es mir heute ins Gesicht wie ein Fausthieb im olympischen Boxfinale.
Gelegentlich der Übernahme des Verlages von Gruner und Jahr verlautbarte RTL-Chef Rabe in einem rhetorischen Blutrausch, dass nun “ein crossmedialer Medien-Champion” gebildet würde.
Ein Champion, der, mit Verlaub, noch gar nichts gewonnen hat.
Ist man neuerdings schon Champion vor dem Spiel?
Selbsterfüllende Prophezeiung oder Begrüßungslüge?
Rabe setzte für den Fall, dass jemand am Triumph seines Willens zweifeln könnte, noch einen drauf.
Ein “journalistisches Powerhouse” würde nun entstehen, und die sanfte Nachrichtenstimme des MDR konnte meine Furcht nicht mildern, denn das war ja nun schon der Tonfall von Bekennerschreiben und Kriegserklärungen.
(Während es das Ziel eines Medienunternehmens sein sollte, attraktive Inhalte anzukündigen… nein, ist es nicht.)
Ließe sich das Ganze überhaupt noch steigern beim nächsten geschluckten Verlag?
Mein Vorschlag wäre schon mal: “publizistischer Todesstern”.
Oder wenigstens “omni-ultra-hyper-crossmedialer Thermomix”.
Vorsichtshalber schon mal alles ausgemacht, wo RTL rauskommen könnte.

Irgendwas mit Medien -3-: Schnee

Ein harter Wintereinbruch geht auch immer mit sprachlichen Verwehungen einher.
Als erstes kommt immer das falsche Versprechen, irgendeine Region würde “im Schnee versinken”. Das ist physikalisch natürlich kompliziert, denn sie ist nur von Schnee bedeckt und die Gebäude haben ein Fundament, das sie nur wenig in die Tiefe gleiten lässt Das Versinken markiert aber kraftvoll etwas, das Medien gern in Verbindung mit Katastrophen zelebrieren: die Verkündigung der menschlichen Ohnmacht. Wer versinkt, kann ein bisschen strampeln, mehr aber nicht. Menschen, das hat mir schon an der Uni mein Psychologie-Dozent beigebracht, lassen sich vor allem durch das Wachrufen zweier Emotionen erregen: Hoffnung und Verzweiflung. Das Versinken bedient diesen Mechanismus.
Zum Ohnmachtsbekenntnis gehört auch die inflationäre Verwendung des Wortes “Chaos”. Bei den alten Griechen, bei denen es selten geschneit hat, war das Chaos zunächst ein leerer Raum. Bei Hesiod ist es der Urzustand der Welt. Die hebräische Bibel bevorzugt den Begriff “Tohuwabohu”, der auch gern mal in Verbindung mit der Deutschen Bahn gebracht wird. Allerdings sind Zugausfälle und Verspätungen nur schlappe Vorübungen zum Chaos oder Tohuwabohu – dazu müssten sich die Züge wenigstens kreuz und quer übereinander geworfen haben, Räder nach oben, mindestens.
Die Übertreibung ist die Mutter der Einschaltquote. Deswegen muss es bei der “Welt” “das größte Schneechaos seit Jahren” sein. Was ist eigentlich der hier vorausgesetzte Plural von “Chaos”? Chaotische Sprachverwirrung!
Selbst der gerade extrem oft verwendete Begriff “extrem” scheint für maximal minus 15 Grad doch leicht übertrieben, jedenfalls aus der Sicht der Bewohner Nordsibierens, wo sie bei minus 40 Grad noch zur Schule gehen, längst versunken im Schnee.
Der “Focus” dichtet im Libretto-Stil eines Richard Wagner “Wetter-Wahnsinn”. Konsequent fortgeführt könnte da stehen: “Wogen weißen Winters wallen westwärts, wehe, wehe, Wagen und Weichen!”
Möge es so schlimm nicht kommen, wie es in der Zeitung steht!

Irgendwas mit Medien -1-

Mittlerweile ist es investigativer Journalismus, eine Überschrift fehlerfrei hinzukriegen.
Nachdem ich da schon Einiges geschluckt habe, fang ich mit dieser Perle das heute mal als kleine Reihe an:
Über-Überschrift heute: Neuer Besen im Kanzleramt.

Irgendwas mit Medien -1-

Mittlerweile ist es investigativer Journalismus, eine Überschrift fehlerfrei hinzukriegen.
Nachdem ich da schon Einiges geschluckt habe, fang ich mit dieser Perle das heute mal als kleine Reihe an:
Über-Überschrift heute: Neuer Besen im Kanzleramt.