Die Farbe der Kinder

Mit ihren quietschbunten Schulranzen und ebenso anschlaggrellen Klamotten sehen die Kinder aus wie Bonbontüten auf Beinen. Es barmt mich ihrer jedes Mal.
Dass Kinder in ihrer Farbenpracht dem Autofahrer auffallen mögen, mag eine edle Absicht sein,die allerdings von der geschmacklichen Verwahrlosung aufgewogen wird. Wie soll ein Mensch in diesem Farbenlärm zur Besinnung kommen? Gewiss werden die grauenhaft kolorierten Kleinen nicht überfahren, aber geschmacklich überrollt allemal.
Und manches Mal, wenn plötzlich so eine kleine Litfasssäule um die Ecke kommt, verliere ich vor Schreck beinahe die Gewalt über das Fahrzeug.
Mein Schulranzen war nichts als lederfarben, ein helles Braun. Er roch nach Leder und sah nach Leder aus, ebenso wie die so genannte Federtasche. Ich habe es niemals vermisst, dass auf meiner Schultasche weder Prinz Eisenherz noch Superman, Biene Maja, Pittiplatsch oder ein Säbelzahntiger abgebildet waren. Allein ehrliche Tintenflecke und speckig abgewetzte Partien adelten das Ding. Ich wusste, dass es aus Tierhaut gemacht wurde. Blass waren auch die Buntstifte und die Wasserfarben für den Zeichenunterricht. Bis zuerst die so genannten Filzstifte einmarschierten. Die Farben begannen zu leuchten, aus dem Papier zu springen.
Es war ein Angriff.
Heute befällt mich helles Entsetzen bereits beim Blick in Kinderzimmer oder Läden für den Schulbedarf, die man in ihrer Grelle nur mit Sonnenbrille betreten kann.
Es wird so oft darüber gesprochen, Gewalt gegen Kinder zu vermeiden. Hier könnte man anfangen.