Krisen – Körner 4

Es wird sich zu viel beim Virus beschwert. Weil dieses aber nicht zuhört, beschwert man sich bei der Regierung und wirft ihr vor, dass sie nicht zuhört.
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Es fehlt ebenso viel psychologische Begleitung wie Impfstoff. Statt so viel über Lockerungen draußen muss mehr über die Spannungen im Inneren gesprochen werden. Viele Menschen werden zu gefährlichen kleinen Druckkesselchen.
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Die Leute setzen gequälten Ausdrucks die Maske auf, statt froh zu sein, sie als Schutz zu haben. Auch Mindestabstände werden als Gängelei missverstanden statt als wirksames Instrument. Und deshalb so schlecht eingehalten.
Solange Schutz als Repressalie fehlinterpretiert wird, sind wir schlecht geschützt.

Krisen – Körner -3-

Der Begriff “Lockerung” ist verhängnisvoll unglücklich, weil er ein Loslassen, ein Nachlassen der Entschlossenheit beinhaltet. Und genau das haben dann ‘Lockerungen’ auch meist im Gefolge.
Ich fände z.B. “Freiheitsräume” besser. Die wären gegen das Virus zu erobern und dürften ihm gleichzeitig keinen Zugang gewähren.
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Wenn Leute trotz immer neuer Mutationen einen “konkreten Zeitplan” der ‘Lockerungen’ fordern, ist das immer, als hätte man gerade vergeblich einem Kind erklärt, dass man nicht auf Bestellung eine Sechs würfeln kann.
(Natürlich wissen die Kläger um das Illusorische ihrer Forderung. Es dient wahrscheinlich nur der Druckkulisse schlechthin.)
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Dass sich so viele berufsmäßige DenkerInnen, etwa aus Literatur und Philosphie, so wenig und unergiebig über die Pandemie äußern, kann nur als Ursache haben, dass sie es nicht bezahlt bekommen.