Käfighaltungsfragen

Nach diesem ewigen „Landschwein aus bäuerlicher Aufzucht“ auf den Speisekarten hätte ich auch mal wieder Bock auf eine „Citysau aus der Fabriketage“.
Oder Eier von melancholischen Hühnern, Milch von depressiven Kühen.
Die Umschmeichelung des Tieres hat ja auf Speisekarten nichts mit dem Tierwohl zu tun, sondern soll das Essen appetitlicher erscheinen lassen.
Gut, ein wenig isst auch das Gewissen heutzutage mit. Man möchte beim Essen die Schuldgefühle minimieren, die bereits von der Versuchung der Völlerei hinreichend erregt sind.
Aber das gestorbene Naturleben des Tieres ist auch ein Ersatzleben für das in der Stadt. Wer selber aus der Mietskaserne nicht hinaus gelangt in die immer weiter auswärts liegende Natur, hat sie ersatzweise gern auf dem Teller. Was auf weiter Wiese frei herumhopst, muss besser schmecken, sagt sich der hoch urbanisierte Stadtmensch, im Unterbewusstsein damit eingestehend, dass er selber ungenießbar zu werden droht.