Bevor Mann die Hose an hat

Viele Männer, beobachte ich, sind nicht autorisiert, sich selber eine Hose zu kaufen.
Sie müssen den lieben langen Sonnabend im Kaufhaus zwischen zwei Höllen wechseln: dem engen, müffelnden Verschlag der Anprobe und der Begutachtung durch die Grand Jury, bestehend aus Gattin und merkwürdig mitverschworener Verkäuferin.
Längst ist der Gang unsicher, traurig baumelt das Preisschild an der Lende.
Warum kann man sich nicht einfach ein Bärenfell überwerfen?
Es war ein Fehler, bei Hose Elf „Ich glaube, die ist es!“ gesagt zu haben.
Es kann nämlich leicht sein, dass sich die Hose, die es ist, gar nicht in diesem Warenhaus befindet.
Dazu kommt eine schreckliche Wahrheit: „Meinem Mann“, hatte die Frau gleich der Verkäuferin gesagt, „hat noch nie eine Hose gepasst.“
Sie hat, wie sich heute endlich einmal aller Welt zeigt, ein verwachsenes Hinkebein geheiratet, dem auch noch der Hintern abhanden gekommen ist, und das linke Bein ist immer noch länger als das rechte. Oder auch mal umgekehrt. Und alles schlackert und schlottert, denn jede Mode zielt darauf ab, die Mängel ihres Mannes hervorzuheben.
Wo bleibt er denn nun wieder? Schon zwei Mal ist er in der Kabine von dem winzigen Schemel gefallen, was mit dem Ruf „Was machst du denn da drin so lange?“ kommentiert wurde. Jetzt hat der Reißverschluss beinahe den Penis zerfetzt. „Was machst du denn da drin so lange?“
Mit Hose Vierzehn „ist irgendwas“.
Er soll sich drehen und mal auf und ab gehen, aber „normal gehen“, und er schafft es nicht, normal zu gehen. Normal gehen, das wäre ja Nachhausegehen.
Hose Fünfzehn zwickt und zwackt also, aber „Nicht schlecht, nicht schlecht,“ tönt es aus dem Hohen Rat, indes der Stoff ist zu empfindlich. Männer sind bekanntlich schmutzig.
In der Deko-Abteilung des Warenhauses, unten im Keller, pinseln sie gerade das Schild: „Der du die Hosenabteilung betrittst, lass alle Hoffnungen fahren!“
Ob die Schotten es leichter haben?
Und ob er bis Bundesliga-Spielbeginn eine neue Hose hat?
Das Spiel ist völlig offen.