Der Traum vom Rausfliegen

Die Menschen wissen oft nichts von ihrer Würde.
Zum Beispiel sagen sie „Ich bin da und da rausgeflogen“, bemerken jedoch nicht das Aktive des Verbs und sehen somit nicht, was sie wunderschön Erhabenes, ja lyrisches vortragen.
„Ich bin da rausgeflogen.“ Ich habe die Schwingen ausgebreitet und habe mich in die Lüfte erhoben. Staunend sah der Personalchef hinterher. Von wegen „nicht flexibel genug“.
Die Sprache hält mehr Trost bereit als die Lage verdient.
„Wir haben Schulden“, sagt man. Aber „haben“ ist ein besitzanzeigendes Verb.
Ich hörte mal jemanden sagen, dass die Ostdeutschen aus ihrer Geschichte heraus mehr haben, was sie nicht haben. Das ist eine schöne Umwidmung.
„Ich bin reingelegt worden.“ Als Baby war das noch toll! Reingelegt in weiche Kissenberge. Heute wollen alle stehen und laufen und allerhöchstens sitzen. Aber legt euch, lasst euch reinlegen!
Man muss eigentlich nur sich selber gut zuhören, um frohen Mut zu schöpfen.
Oder, ebenso schön: „Ich gehe zu Grunde.“ Wie wenige finden so weit!
(2010)