Handspiel

Es ist aufschlussreich (oder auch nicht, das muss ich noch herausfinden), mit welcher Geste Politiker ihre mannigfaltigen Äußerungen zu diesem oder jenem oder zu gar nichts illustrieren.
Angela Merkel, die nicht nur die Raute im gestischen Repertoire hat, tut auch mal gern so, als ob sie ein mittelgroßes Paket hält. (Erinnerung an Westpakete?).
Wenn Wolfgang Schäuble was erklärt, sieht es oft so aus, als wolle er gerade von unten eine Energiesparlampe einschrauben. Meistens in eine Tischlampe.
Bei Claudia Roth sind es Deckenlampen.
Ursula von der Leyen teilt die Luft gern hintereinander in Scheiben, meist vertikal, aber, wenn es um soziale Schichtungen geht, auch mal horizontal. Ständig wird Luft zersägt. Warum nur?
Es gibt auch einen allseits gern verwendeten Grundbestand an Gestik. Das Festhalten eines Insekts in spitzen Fingern zum Beispiel.
Es sind alles Gesten, die niemand im politikfernen Alltag benutzen kann, ohne sich lächerlich zu machen. Aber im Bundestag oder in der Fernseh-Talkshow wirken sie normal. Es ist offenbar ein anderer Bewegungsraum.
Früher forderte Robert Lembke bei seinem heiteren Beruferaten immer eine typische Handbewegung ab. Es waren immer praktische Handgriffe aus dem Arbeitsalltag. Nur selten aber folgerte daraus jemand auf den Beruf. Die oben angeführten Gesten hingegen sind, obwohl praktisch nicht notwendig, umso eindeutiger dem Berufsstand des Politikers zuzuordnen.
Er braucht die Handbewegungen, weil sonst nicht sichtbar ist, was bewegt wird. Nur, wenn es schief geht.