Resignierstunde

Dass ich vor Jahren mal versucht habe, per self publishing Bücher zu verkaufen, hatte ich fast schon ebenso vergessen wie die Welt meine Bücher. Plötzlich jedoch merkte ich, dass Amazon mein “Author Central”-Profil immer noch öffentlich herzeigt. Meine kurze Bitte um Löschung desselben wurde heute morgen wie folgt beschieden:
“Sie haben uns mitgeteilt, dass Sie Ihre Autorenseite löschen möchten. Damit Kunden leichter nach ihren Lieblingsautoren suchen und neue entdecken können, werden Autorenseiten jedoch nicht entfernt.”
Okay, dachte ich, Strafe muss sein für den Hochmut des self publishing, aber auf ewig?
Die mir schrieb, unterzeichnete als Regina, ein Name, der, wie wir alle wissen, sich nicht umsonst mit “die Herrschende” übersetzen lässt. But no jokes with names, author!
Mit der von Amazon offenbar erzwungenen potentiellen Berühmtheit gab ich mich nicht zufrieden und kabelte heute morgen per Rückmail an Regina:
“Ich möchte eben kein gesuchter Lieblingsautor mehr sein… Das ist aber offenbar nicht erlaubt.”
Irgendwie hatte ich zu denken gegeben, denn am Vormittag trafen dann noch diese Zeilen ein:
“Bei der Planung weiterer Verbesserungen werden wir Ihr Feedback berücksichtigen. Rückmeldungen wie Ihre sind für uns sehr nützlich, um unser Angebot für Autoren und Verlage zu verbessern.
Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns Ihren Vorschlag mitzuteilen.
Vielen Dank, dass Sie Amazon Author Central nutzen.”
Eine nette Botschaft, wäre die letzte Zeile nicht dran.
Und so nutze ich weiter etwas, das nur schaden kann, weil jeder auf den ersten Blick sieht, dass dieser Lieblingsautor kein Lieblingsautor ist und dass der Ärmste es offenbar nicht geschafft hat, einen “richtigen” Verlag zu finden.
Er ist ein ungelöschter Erloschener.
Ja, nicht einmal ein selbstbestimmter Mensch.
Jetzt kann er nur noch auf die “Planung weiterer Verbesserungen” hoffen.
Nicht immer münden nur leider Planungen von Verbesserungen auch wirklich in Verbesserungen.
Ach, wäre man doch naiv wie einst!