Ein ästhetisches Überbleibsel…

…ist die Haltungsnote beim Skispringen.
Wer da keine Ballettpose namens Telemark hinkriegt, kann bis zum Mond fliegen, ohne zu gewinnen.
Der Genuss, einen Menschen mit zwei Brettern an den Füßen elegant landen zu sehen, ist indes von vornherein bescheiden. Uns beeindruckt die Weite, die möglichst anhaltende Illusion, dass der Mensch doch fliegen könne.
In früheren, feingeistigeren Zeiten, als man noch Bänder ins Haar flocht und Sofakissen arrangierte, dürfte die höfisch anmutende Knickslandung weit höher geschätzt worden sein. Aber Kriege, Massenproduktion und Medien haben nunmal wie Sandpapier die Sinne der Menschen, sagen wir mal, geglättet.
Deshalb könnte man diesen überlebten Haltungsnotenquatsch abschaffen, bei dem sich 5 Juroren für nichts die Pfoten abfrieren und manch verwegene Sprungweite diskriminiert wird.
(Wenn man wenigstens wüsste, welche Bilder bei den Kampfrichtern zuhause an der Wand hängen, könnte eventuell deren ästhetische Kompetenz beurteilt werden. Aber die Bilder sollen ja auch nicht weit fliegen.)
Messt die Weite, baut endlich funktionierende Windfänger und lasst “Telemark” als Namen zurück für die norwegische Landschaft, aus welcher die Sprungtechnik stammt.
Die Gegend führt übrigens eine Axt im Wappen.
Dies sei auch beim Skispringen Programm.

Sportliche Winterträume

Er ist zu spüren, der Sand im Schnee des Wintersport-Circus.
Woche für Woche wälzen sich die diversen Weltcup-Karawanen verzweifelt durch fönlaue Berge auf der Suche nach etwas benutzbarem Winter.
Das große Zittern ist da, nur nicht wegen Kälte.
Der Weltcup der Snowboardcrosser am Feldberg, lese ich, fällt aus.
Oberhof plant ein neues Schnee-Depot, ein idyllisches Beton-Silo, um künftig “Schneesicherheit” zu haben. Sonst geht es womöglich noch zu Fuß zum Schießen. 
Skispringer haben ja schon Matten und Eisläufer längst Hallen. Die alten holländischen Gemälde mit den Schlittschuhläufern auf den Stadtkanälen steigern noch einmal ihren Wert wegen meterorologischer Seltenheit.
In hundert Jahren werden die Kinder fragen, wie die kuriosen Sportarten mal entstanden sind, bei denen man von Bergen herunterrutscht, obwohl die doch niemals glatt werden.
Die Schneekanone ist auch keine Wunderwaffe. Sie ist den Marathonläufern im Wege, die demnächst aus den Tälern in die Höhe flüchten, um nicht zu kollabieren.
Um die Sessellifte nach oben drängeln sich auch Beach-Volleyballer und alle möglichen Leichtathleten, denen die Überlebenschancen im Brutkasten des Stadions zu rasch sinken.
Auffallend viele Kampfsportler setzen sich an der Seilbahn durch.
Die Olympischen Spiele finden endlich auf dem Olymp statt.
Das olympische Feuer brennt im Hain von selbst.
Winterspiele kann Katar bald genauso schneereich oder -arm ausführen wie Garmisch.
Aber egal, was kommt: sportliche Spiele muss es immer geben. Wettrennen, Kampf darum, ganz vorn zu sein. Wäre es anders, hätten wir die Probleme vielleicht gar nicht erst bekommen.