Google schafft Unsterblichkeit ab

Das ist doch mal eine Überschrift und nicht einmal übertrieben.
Google will, so teilt es mir heute morgen mit, jetzt alles, was zwei Jahre nicht vom Account-Inhaber angefasst wurde, löschen. Und es gibt nur einen Weg, sein Zeug zu behalten: man muss aktiv sein.
Irgendwas machen, ablegen, abrufen, es muss nicht einmal Sinn ergeben. Hauptsache, man hat gewackelt.
Andernfalls müsste Google mich als nicht vorhanden einstufen und hätte nach heutigem Verständnis sogar recht.
Eigentlich verhalte ich mich zuhause ebenso. Was mehrere Jahre nicht angefasst wurde, hat hohe Chancen, seine Reise ins Recycling oder die Müllverbrennung anzutreten. Die Einsicht, dass wir viel zu viel haben, hat nun auch einen Riesen erreicht, der uns bisher glauben machte, dass es auch für das Banale keine Gürtellinie der Bewahrungswürdigkeit gibt.
(Ich erinnere mich bei der Gelegenheit, wie einmal der Papst im von edlem Krempel vollgestopften Petersdom die Menschen ermahnte, nicht so viel Besitz anzuhäufen. Es schien mir damals wie ein Hilferuf aus eigener Not. Der nicht erhört wurde.)
Die eigentliche Botschaft lautet freilich, dass Google vor allem die Unendlichkeit abschaffen muss. Es gibt wohl doch nicht Speicherplatz satt. Und so wird schon mal die Sparte “Friedhofsverwaltung” aufgegeben.
Auch dieses Blog wird von Google bereitgestellt.
Meine Chancen, dass ein Cyber-Archäologe nach zehntausend Jahren auf völlig verstaubten Servern diese Kritzeleien aus der späten Erdölzeit entdeckt, schwinden nun also leider erheblich.
Ich hätte sie in eine Höhle ritzen sollen.