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Kategorie: Zeitenwandel

Fackeln im LED-Zeitalter

Die anhaltende Faszination der zu Beleuchtungszwecken längst überflüssigen Fackel kann nur daher kommen, dass sie nicht im Internet lodern kann.
Menschen wollen manchmal auch noch richtig kokeln.
Man könnte leicht sagen, es läge am haptischen Erlebnis, aber berühren sollte man sie nur am unteren Ende.
Wenn mit ihr der Kanzlerin heimgeleuchtet wird, wird geflissentlich übergangen, dass auch die Fackel nicht so recht der Erderwärmung entgegenwirkt. Ein klimaneutrales Leuchtmittel vermag aber offenbar nicht die gewünschte Stimmung zu erzeugen: Glorienschein in Berlin oder Gewaltandrohung in Sachsen.
Dabei war die Fackel ursprünglich wirklich nur Lampe. Man konnte vor hunderten Jahren beim Wirt eine kaufen, um den Weg nach Hause zu finden, denn Straßenbeleuchtung gab es viel später, als Filme, die im Mittelalter reich befackelte Straßenzüge zeigen, weis machen.
Kein Fackelzug des zwanzigsten Jahrhunderts verhieß etwas Gutes.
Wenn bei olympischen Eröffnungsfeiern die Fackel ins Stadion getragen wird, ist mir immer etwas unwohl. Schon als Kind fand ich es gruselig, dass im Zirkus mit Fackeln jongliert wurde und der Jongleur sogar Feuer spuckte.
Die wesentliche Botschaft der Fackel ist doch: ich kann ziemlich üblen Schaden anrichten. Die Redewendung, dass nicht lange gefackelt werde, setzt darauf.
Deshalb bevorzugen selbst Weihnachtsmärkte, obschon sie sich mit ihrem Budenzauber in der städtebaulichen Tradition des Mittelalters wähnen, längst LED.
Eine Energieeinsparung von hohem Symbolwert, denn viel öffentliche Erregung ist heutzutage feuerspeiende Energieverschwendung und führt zu einer Erhitzung der Atmosphäre mit zerstörerischen Unwettern im Gefolge.
Wikipedia informiert mich darüber, dass die Fackel für die Kardinaltugend der Weisheit stehe.
Das ist, fürchte ich, ein großes Missverständnis.