bookmark_borderAls wir uns fesseln ließen

Irgendwie war früher weniger Verfassungsgericht.
Die Verpflichtung zum Sicherheitsgurt im Auto wurde, soweit ich mich erinnere, klaglos hingenommen.
Und nicht als Gesundheitsschutz für ein paar Wochen, sondern für immer und ewig.
Obwohl nichts weniger vom Bürger verlangt wurde als sich selbst zu fesseln.
Freilich erweckte die Bandage den Eindruck, als schütze der Angebundene eher sich selbst als Andere, was dem Gurt einen erheblichen Akzeptanzbonus eingebracht haben dürfte.
Aber bei der Begrenzung der Promillezahl ging es doch ziemlich hart ans eigene ‚Zum Wohl!‘.
Und nichts schien trotzdem mehr zu beunruhigen als der unschuldige Tod jener, die vom Besoffenen angefahren würden.
Der saufende Fahrer selbst war dem Gesetzgeber da eher egal.
Ein paar Diskussionen gab es deshalb dann schon, etwa um 0,7 oder 0,5.
Aber schlussendlich fügten sich Millionen Wein-und Whiskykenner ohne Torkelgang nach Karlsruhe der staatlichen Spaßbremse! Nix mit ‘Mein Bauch gehört mir’ bei den zahllosen Bierfreunden! Nicht mal zuhause durfte man vor der Fahrt noch einen zischen! Und dass da draußen vielleicht nur einer von hunderttausend Besoffenen einen tot fährt, wurde nicht einmal gegengerechnet. Die Intensivstationen wären auch mit einem doppelten Andrang noch gut klar gekommen, also so what?
Gar nicht anfangen will ich mit den Leitplanken, die plötzlich rechts und links die freie Fahrt einengten.
Oder mit der Helmpflicht für Motorradfahrer, die das Recht auf freien Kopfputz aufhob, auch für immer.
Mit dem Verbot des erfrischenden Abendspaziergangs für einige Wochen, um nichts weiter als die Überfüllung von Intensivstationen zu vermeiden, auf denen sowieso jeder zweite stirbt, könnte nun der Staat aber denn doch zu weit gehen.