bookmark_borderFeuer und Champagner

Als der Fahrer mit knapper Not dem brennenden Formel-1-Rennwagen entschlüpfte, in welchen er wahrscheinlich seit seiner Kindheit nichts als hinein wollte, war mein erster Gedanke: in einem Elektroauto wäre dir das nicht passiert. Andererseits: wer weiß, wie hoch und gefährlich sie auch die E-Boliden züchten würden.
Wie oft hat man versucht, mich von der Sinnhaftigkeit dieser obskuren Auto-Rundfahrten zu überzeugen, indem darauf verwiesen wurde, wie viele segensreiche Erfindungen von hier aus ihren Weg bis in meinen Kleinwagen genommen haben, der sich dankenswerter Weise nicht so leicht entzündet.
Aber am Benzin-Verbrennungsmotor gibt es nichts mehr zu erfinden außer wie man ihn ersetzt.
Immerhin haben Formel-1-Fahrzeuge bereits, allerdings nur ergänzend, einen Elektromotor, der seine Energie auch nur aus der Verbrennung des Benzins gewinnt.
Beim Boxenstopp denke ich manchmal: jetzt hebeln sie den ganzen Ottoschrott raus, kleben irgendeinen Öko-Aufkleber rauf und lassen den Rest wieder elektrisch und in beherrschbarem Tempo lossummen.
Dass die Beteiligten weit entfernt sind, auf derartige Evolutionssprünge zu verfallen, zeigt immer der vorgetäuschte Orgasmus, wenn zur Siegerehrung aus der Hüfte der Champagner abgespritzt wird.
Er bestätigt zwei überholte Fahrmotive: Lustgewinn und Verschwendungssucht.
Freilich ist mir klar, dass die monströsen Champagnerflaschen nur als Hilfsgeräte der Begeisterungsdarstellung dienen. Schließlich kann man das Preisgeld nicht einfach so einsacken wie ein Kraftfahrer seine Lohntüte, sondern muss dem Publikum halbwegs glaubhaft einen ekstatischen Freudentaumel vermitteln. Ohne darstellerische Gaben ist dies nur mit den sprudelnden Winkelementen zu kommunizieren.
Schade nur um die Weinbeeren und die Kunst der Winzer.
Ich stelle mir vor, wie die einigermaßen klimaneutralen Skilangläufer am Ende mit alkoholischen Getränken um sich schleudern. Ließe dies nicht den Mannschaftsarzt aufschrecken?