bookmark_borderGendern, bis die Ärztin kommt

Warum hat man bei menschlichen Projekten so selten das Gefühl, dass Frieden gestiftet wird?
Statt endlich herzlich zusammenzukommen, ja zu verschmelzen in einer gemeinsamen grammatischen Form, die leicht sprechbar ist, soll in den Duden gemeißelt sein, dass selbst beim Leiten einer Bäckerei exakt zu definieren ist, ob dieses Wesen Eizellen oder Spermien produziert.
Die im Deutschen bislang zu zart keimende Pflanze, mit einem Wort alle Menschen einer Berufsgruppe geschlechtsneutral zu bezeichnen, wie es englisch Sprechende ganz selbstverständlich pflegen, wird zugunsten eines semantischen Dschungels voller tödlicher Gefahren zertreten.
Wen hat das Hotel, wenn eine Frau DER Gast ist?
Schließen die Arztkosten die Ärztinnenkosten ein?
Ist es schon verdächtig männlich, “Wer” zu fragen? Ist “jemand” bei Bedarf auch eine Jemandin?
Der Wald wird, ich verspreche es, so tief, dass niemand hinausfinden wird, wohl aber hineingeprügelt.
Die Furcht wird die Begleiterin der Wortwahl sein und sich Fortschritt nennen, in Anflügen der Ehrlichkeit womöglich Rache.
Gesagt wird am Ende vielleicht vor lauter Bedenken lieber nichts.
Aber das kenne ich schon gut von früher.