bookmark_borderWir Fthinoporophilen

„Endlich November!“, jauchzen alljährlich wir Fthinoporophilen, zu deutsch Herbstliebenden.
Wenn dieser törichte Lichtkult mit seinem Gute-Laune-Terror endlich abgelöst wird. 
Wir wollen den Sommer-Hit ebenso nicht mehr hören müssen wie den Rasenmäher, und wir wollen nicht mehr schwitzen. Uns Fthinoporophile lockt die reine, klare Unwirtlichkeit ins Freie.
Wir baden im Nebel, der die Scheußlichkeiten der Vorstädte gnädig verhüllt.
Heute bedeckte der erste Rauhreif würdevoll weiß die vom Klimawandel geschundenen Tannenzweige.
Die Spätherbstzeit lieben die vom Glück Verschonten besonders und sehen deshalb jetzt glücklicher aus als die vom Dauerglück Heimgesuchten.
Endlich zwängen wir uns nicht mehr an den jährlich enger stehenden Straßenkaffeestühlen vorbei oder suchen nach lächerlichen Ausreden, warum wir nicht im trüben See baden.
Doch hüten wir unsere Zungen.
Die Herbsthasser verstehen nichts.
So ist der Herbst für unsere Minderheit die Zeit, in der sich unsere Ausgrenzung erneuert.
Es zählt nicht, dass wir bis vor kurzem noch die Sommerbegeisterung tolerierten und im Büro geblieben waren, als alle Anderen nach karzinogener ultravioletter Strahlung gierten. Niemand fragte mitfühlend, ob diese Sucht nach Schweiß und Gedränge uns abstoßen könnte. Wenn die Wetterfee im Fernsehen uns ungefragt vereinnahmte im tumben Jubel über das nächste runterziehende Hoch.
Wir unsererseits verlangten nie jemandem eine Erklärung ab, warum er sich den Leiden der Hitze noch durch südwärtige Flugfluchten in der Spätsaison unterwarf. Jeder ist seiner Qualen Marquis.
Wenn sie dann alle wiederkamen aus ihren Backöfen am Mittelmeer, reuelos, verbrannt und zerstochen, verkatert und unglücklich verliebt, haben wir sogar Neid geheuchelt.
Doch dürfen wir auf die gleiche Toleranz und höfliche Heuchelei der Sommersüchtigen nicht hoffen.
Es ist um diese Zeit keine Wärme mehr übrig.   
Aber es zeichnet uns aus, dass wir gelassen bleiben, friedlich und entspannt. Wie unser Vorbild, der November. 

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„Endlich November!“, jauchzen alljährlich wir Fthinoporophilen, zu deutsch Herbstliebenden.
Wenn dieser törichte Lichtkult mit seinem Gute-Laune-Terror endlich abgelöst wird. 
Wir wollen den Sommer-Hit ebenso nicht mehr hören müssen wie den Rasenmäher, und wir wollen nicht mehr schwitzen. Uns Fthinoporophile lockt die reine, klare Unwirtlichkeit ins Freie.
Wir baden im Nebel, der die Scheußlichkeiten der Vorstädte gnädig verhüllt.
Heute bedeckte der erste Rauhreif würdevoll weiß die vom Klimawandel geschundenen Tannenzweige.
Die Spätherbstzeit lieben die vom Glück Verschonten besonders und sehen deshalb jetzt glücklicher aus als die vom Dauerglück Heimgesuchten.
Endlich zwängen wir uns nicht mehr an den jährlich enger stehenden Straßenkaffeestühlen vorbei oder suchen nach lächerlichen Ausreden, warum wir nicht im trüben See baden.
Doch hüten wir unsere Zungen.
Die Herbsthasser verstehen nichts.
So ist der Herbst für unsere Minderheit die Zeit, in der sich unsere Ausgrenzung erneuert.
Es zählt nicht, dass wir bis vor kurzem noch die Sommerbegeisterung tolerierten und im Büro geblieben waren, als alle Anderen nach karzinogener ultravioletter Strahlung gierten. Niemand fragte mitfühlend, ob diese Sucht nach Schweiß und Gedränge uns abstoßen könnte. Wenn die Wetterfee im Fernsehen uns ungefragt vereinnahmte im tumben Jubel über das nächste runterziehende Hoch.
Wir unsererseits verlangten nie jemandem eine Erklärung ab, warum er sich den Leiden der Hitze noch durch südwärtige Flugfluchten in der Spätsaison unterwarf. Jeder ist seiner Qualen Marquis.
Wenn sie dann alle wiederkamen aus ihren Backöfen am Mittelmeer, reuelos, verbrannt und zerstochen, verkatert und unglücklich verliebt, haben wir sogar Neid geheuchelt.
Doch dürfen wir auf die gleiche Toleranz und höfliche Heuchelei der Sommersüchtigen nicht hoffen.
Es ist um diese Zeit keine Wärme mehr übrig.   
Aber es zeichnet uns aus, dass wir gelassen bleiben, friedlich und entspannt. Wie unser Vorbild, der November.