bookmark_borderDie Rückkehr der Türsteher

In einen Nachtschuppen zog mich, als ich jung war, ein untersetzter Kraftmensch, Typ Meister Propper, aus den Anstehenden hinein. Nicht weil ich geimpft war, sondern, wie gesagt, ich war jung und beleidigte nicht den Anblick der bereits Drinseienden.
Wenige Jahre später gab es keinen selektierten Einlass mehr, denn der Laden war nicht mehr angesagt und machte deshalb irgendwann für alle und für immer zu.
Heute erwecken die Diskussionen den Eindruck, jeder hätte damals auf die verfassungsmäßig garantierte Gleichheit pochen können und Einlass erhalten müssen.
Abgesehen davon, dass meine damals zuständige Verfassung immer etwas mehr versprach als sie zu halten bereit war. Aber zur bundesdeutschen Verfassung befindet sich ein Türsteher auf den ersten Blick erst recht in krassem Widerspruch. Auf den zweiten nicht, wenn er die Gesundheit der Gäste schützt und um einen Impfnachweis bittet, vor der üblichen Gesichtskontrolle.
Die nicht Geimpften könnten vor dem Verfassungsgericht Zugang zu Restaurants und Bars erwirken, in denen sich ausschließlich nicht Geimpfte befinden und einander in Ruhe ausrotten.
Ich, der Impfwillige, aber noch nicht vom Türsteher des Impfzentrums Eingelassene isst und trinkt solange weiter zuhause.
Schon damals vor dem Nachtschuppen murrte die Menge, als ich reingezogen wurde. Sie würde jetzt, wie es aussieht, wieder murren, wenn Corona-Geimpfte Privilegien genießen.
Das Privileg des Geldausgebens vor allem.
Und ich gönne den Wirten jedes Geschäft! Warum sollen sie auf mich warten, der ich aus dem Warten keine geschäftlichen Nachteile erleide, im Gegenteil: ich gebe weiterhin weit weniger aus als früher. Meine Bürgerrechte sind intakt, wenn ich nicht an jedem Tresen hänge.
Ein Verbot von Privilegien privilegiert die Neidischen. Wenn ich nicht darf, denken sie, sollen die auch nicht – wenn das ein Verfassungsrecht ist, sind wir darum nicht zu beneiden.
Zugucken werde ich beim Zank darum noch ein Weilchen vom Sofa.