bookmark_borderSelber mutieren?

Immerzu denke ich: wir Menschen, wir müssten doch selber auch mal.
Mutieren.
Womöglich läuft ein Mutationswettlauf um die Weltherrschaft, den wir fälschlich als längst gewonnen betrachten.
Der homo sapiens ist fertig, denken wir, weil wir nur wenige Veränderungen sehen. Dabei könnten wir auch einfach nur zu langsam sein.
Gemessen an unserem Reproduktions-Zeitaufwand gewähren wir den Viren weitaus großzügiger Zeit für Vervielfältigungen als uns selbst.
Bis wir endlich mal eine Mutante hervorbrächten, die vernünftiger, entschlossener, weitsichtiger und dabei vielleicht sogar mitfühlender wäre, ist längst der letzte Baum vertrocknet.
Wir geben uns, wie es derzeit aussieht, die Jahrtausende nicht.
Es ist auch, mit Verlaub, zu wenig Mutationsfreudigkeit unter Menschen zu beobachten. Im Gegenteil. “Ganz der Papa!”, “Ganz die Mama!” freuen sich die den Eltern genetisch Nahestehenden. Sie wollen keine Veränderungen, sondern sich am liebsten im Nachwuchs als 1:1-Kopie ihrer Beschränktheit wiedererkennen. Schon falsch.
Wie wir am Virus sehen.
Es ändert sich hemmungslos.
Sich Ändern bedeutet schließlich Überleben in einer sich ändernden Welt.
Wir Menschen müssten erst einmal auf den Level hinmutieren, der uns das Sichändernmüssen begreifen lässt.
Klempnern lässt sich das an den Genen ganz sicher nicht so leicht. Sich das zuzutrauen wäre wahrscheinlich nur ein weiterer Beleg für die Unreife.
Wir müssten auf Variationen warten, die besser sind als wir.
Nur ist dieses unter all dem Warten derzeit nicht dabei.

bookmark_borderDas Erbgut des Horrorkinos

Am wenigsten wird behalten, was in der Schule über Mutationen erzählt wurde.
Und, wie so vieles, nicht verstanden, denn nichts ist so unbegreiflich wie das Plötzliche, dessen Ursache und Auslöser unbekannt bleiben.
Rätselhafteste Quantenphänomene (Tunneleffekt) können verantwortlich sein..
Schon durch die Verborgenheit ihrer Entstehung schreckt sie, die Mutation.
Aber noch viel mehr infolge der kulturellen Prägung durch Unterhaltungsfilme meist minderer Qualität.
Die Mutanten, das sind dort oft die plötzlichen Ungeheuer, die (bevorzugt nachts) mordend umherziehen.
Oder die Mutation verleiht verhängnisvolle Superkräfte oder Riesenwuchs.
Meist geht die Reise verlässlich in Richtung des Bösen.
So sehen wir die Engländer (welche ursprünglich wohl auch nichts als mutierte Sachsen sind) oder Südafrikaner als Opfer des mutierten Corona-Virus in den Klauen von Monstern.
Dadurch können Gesundheitsaufklärer immerhin endlich einmal die Halbbildung des Volkes, hier in Gestalt der Mutationsfurcht, nutzen.
Im Übrigen würfelt das Mutieren manchmal auch einen Gewinn für uns: nur haben wir die Mutationen des Virus in Richtung Ansteckungsschwäche nicht bemerkt, weil sich eben niemand damit anstecken konnte.
Es ist sowieso besonders böse eingerichtet, dass das Gute nicht bemerkt wird.
Was keine Angst macht, ist leicht unsichtbar in der Aufmerksamkeitskultur.
Um es zu würdigen und zu fördern, müsste das menschliche Gehirn mutieren wie noch nie.