bookmark_borderDresscodes der Sklaven

Postbotin und Politesse erschienen in wie immer gegensätzlicher Mission: Bringen und Nehmen.
Ich bemerkte gleichwohl, dass sie mich durch ihre Kleidung nicht beeindrucken wollen.
Jeder Anschein von Obrigkeit wird vermieden. Nichts außer der Bestimmtheit eines Strafzettels erinnert bei der Nemesis des Ordnungsamtes an die Zeit der einschüchternden Uniformen. Alle, die früher in solchen steckten, sehen heute entspannt aus. Irgendwie nach Freizeit, obwohl sie diese, und da wäre ich eher bei der Postzustellerin, immer weniger haben
Die in heutigen Zeiten harter Zustelltakte schweißdurchlässige, wespenfarbene Funktionswäsche des Postlers ist, wie alles pur Praktische, leider unausweichlich hässlich. Aber sicher wetterfest in jeder Beziehung. Sie trotzt Starkregen ebenso wie Flirtversuchen. Ein Touch von Bergwandern im Pamir umgibt sie, wo man auch amodisch herumläuft, weil oberhalb von fünftausend Metern außer notgeilen Yetis niemand zur Würdigung des Outfits vorhanden ist.
Ein Doppelsinn des Wortes „postmodern“ stößt mir auf.
Man kauft den Postbringenden jede Lohnforderung ab, während man einst den verbeamteten Postboten in der soliden Uniform mit ihren Kragenspiegeln und hier ein Posthorn, da ein Posthorn natürlich gut versorgt wähnte.
Aus und vorbei.
Ich glaube, dass Briefträger auch seltener von Hunden gebissen werden, weil sie jetzt den ultimativen Verpiss-dich-Dress haben. Na gut, und ein Auto. Die alte Uniform musste ja auch das Fahrrad kompensieren. Heute ähneln die Postboten frappierend den Paketen, die sie austragen.
Die Parkstrafzettel hingegen werden in, ich nenne das, Verharmlosungstracht ausgestellt. Hier soll die Kleidung den Schrecken der Gewalt lindern. Doch gelingt es nicht, die Angst zu nehmen, wenn der Parkautomat mal wieder defekt ist und bürgerlicher Gehorsam dadurch unmöglich wird. Wird mein liebevoller „Automat kaputt“- Zettel im Fenster Eindruck machen?  Ich sollte der friedfertig wirkenden Haube, die auch einen Hauch von fürsorglicher Krankenschwester hat, nicht glauben. Das kecke Hütchen zitiert bei genauer Betrachtung wohl auch eher die Jagd. Oder den Räuber Robin Hood, der seine Beute an die Bedürftigen gegeben hat? Auch die Einnahmen des Ordnungsamtes fließen ja in die Kasse der Allgemeinheit. So wie früher in diesen Hüten eine Fasanenfeder steckte, könnte sich sich einen Mercedesstern anheften.
Plötzlich fällt mir ein, dass ich es in ganz jungen Jahren zum Oberpostsekretär gebracht hatte, weil die Technik beim Rundfunk damals zur Post gehört hatte. Wir brauchten aber keine Uniform zu tragen, nicht einmal zu besitzen. Es fühlte sich an wie ein Privileg der Freiheit. Dieses Gefühl ist ohnehin durch kein verordnetes Kleidungsstück zu erreichen.
Die Dienstkleidungen von heute suggerieren freilich fälschlich, dass die Uniform überwunden ist. Es ist nur intensiv an ihrer Verharmlosung herumdesignt worden. Uniformiertheit weitet sich sogar aus, und sei es, dass irgendwelche PR-Teams im gleichen T-Shirt Flyer verteilen.
Am kuriosesten sind mir die uniformierten ModeratorInnen bei Sky Sport. Warum müssen die gleich gekleidet sein? Geht das eher in Richtung Vereinstrikot? Nein, sie sehen ein bisschen aus wie Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens. Manchmal passt es immerhin zum Fußballspiel.

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Postbotin und Politesse erschienen in wie immer gegensätzlicher Mission: Bringen und Nehmen.
Ich bemerkte gleichwohl, dass sie mich durch ihre Kleidung nicht beeindrucken wollen.
Jeder Anschein von Obrigkeit wird vermieden. Nichts außer der Bestimmtheit eines Strafzettels erinnert bei der Nemesis des Ordnungsamtes an die Zeit der einschüchternden Uniformen. Alle, die früher in solchen steckten, sehen heute entspannt aus. Irgendwie nach Freizeit, obwohl sie diese, und da wäre ich eher bei der Postzustellerin, immer weniger haben
Die in heutigen Zeiten harter Zustelltakte schweißdurchlässige, wespenfarbene Funktionswäsche des Postlers ist, wie alles pur Praktische, leider unausweichlich hässlich. Aber sicher wetterfest in jeder Beziehung. Sie trotzt Starkregen ebenso wie Flirtversuchen. Ein Touch von Bergwandern im Pamir umgibt sie, wo man auch amodisch herumläuft, weil oberhalb von fünftausend Metern außer notgeilen Yetis niemand zur Würdigung des Outfits vorhanden ist.
Ein Doppelsinn des Wortes „postmodern“ stößt mir auf.
Man kauft den Postbringenden jede Lohnforderung ab, während man einst den verbeamteten Postboten in der soliden Uniform mit ihren Kragenspiegeln und hier ein Posthorn, da ein Posthorn natürlich gut versorgt wähnte.
Aus und vorbei.
Ich glaube, dass Briefträger auch seltener von Hunden gebissen werden, weil sie jetzt den ultimativen Verpiss-dich-Dress haben. Na gut, und ein Auto. Die alte Uniform musste ja auch das Fahrrad kompensieren. Heute ähneln die Postboten frappierend den Paketen, die sie austragen.
Die Parkstrafzettel hingegen werden in, ich nenne das, Verharmlosungstracht ausgestellt. Hier soll die Kleidung den Schrecken der Gewalt lindern. Doch gelingt es nicht, die Angst zu nehmen, wenn der Parkautomat mal wieder defekt ist und bürgerlicher Gehorsam dadurch unmöglich wird. Wird mein liebevoller „Automat kaputt“- Zettel im Fenster Eindruck machen?  Ich sollte der friedfertig wirkenden Haube, die auch einen Hauch von fürsorglicher Krankenschwester hat, nicht glauben. Das kecke Hütchen zitiert bei genauer Betrachtung wohl auch eher die Jagd. Oder den Räuber Robin Hood, der seine Beute an die Bedürftigen gegeben hat? Auch die Einnahmen des Ordnungsamtes fließen ja in die Kasse der Allgemeinheit. So wie früher in diesen Hüten eine Fasanenfeder steckte, könnte sich sich einen Mercedesstern anheften.
Plötzlich fällt mir ein, dass ich es in ganz jungen Jahren zum Oberpostsekretär gebracht hatte, weil die Technik beim Rundfunk damals zur Post gehört hatte. Wir brauchten aber keine Uniform zu tragen, nicht einmal zu besitzen. Es fühlte sich an wie ein Privileg der Freiheit. Dieses Gefühl ist ohnehin durch kein verordnetes Kleidungsstück zu erreichen.
Die Dienstkleidungen von heute suggerieren freilich fälschlich, dass die Uniform überwunden ist. Es ist nur intensiv an ihrer Verharmlosung herumdesignt worden. Uniformiertheit weitet sich sogar aus, und sei es, dass irgendwelche PR-Teams im gleichen T-Shirt Flyer verteilen.
Am kuriosesten sind mir die uniformierten ModeratorInnen bei Sky Sport. Warum müssen die gleich gekleidet sein? Geht das eher in Richtung Vereinstrikot? Nein, sie sehen ein bisschen aus wie Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens. Manchmal passt es immerhin zum Fußballspiel.