bookmark_borderUndank der Nachfrage

Mittlerweile weiß ich aus empirischem Vergleich, dass das auch so ein Ossi-Ding ist. Auf die Frage, wie es mir geht, ehrlich zu antworten. Das macht man nicht. Man lügt. Höflich.
Es ist in der Frage ja auch schon zu hören, dass sie nicht ernst gemeint ist. Keine Sau interessiert sich dafür, wie es dem Anderen geht. Deswegen frage ich selbst das auch niemanden. Es sei denn aus wirklich bestehender mitfühlender Wissensbegier. Dann wiederum möchte ich nicht mit „Suuuper!“ verarscht werden.
Entgegenkommender Weise wird einem die Antwort heute oft auch schon in den Mund gelegt beziehungsweise gestopft: „Alles gut?“
Das erinnert an viele kuriose Kinomente. In Filmen werden selbst Opfer, die blutend auf der Straße liegen, von den Nächsten mit „Alles okay?“ angesprochen. Und nicht selten wird dies röchelnd bejaht. Eigentlich wird „Alles okay?“ NUR gefragt, wenn NICHTS okay ist.
Aus Amerika kenne ich ja auch, dass nach „How do you do?“ auch gleich direkt weitergequatscht wird. Das macht es dem eigentlich also gar nicht Gefragten leichter. Während ich noch gewohnheitsmäßig mit der inneren Bestandsaufnahme beschäftigt bin, geht (sic!) der small talk gnadenlos weiter und, wie dort üblich, rasch zu Ende. Stets mit: „Nice to meet you.“ Der Trend geht zur Zweitlüge.
Auch gleich weitergeplappert wird beim jugendsprachlichen „Was geht?“ Das tut so, als ob jeder ein großes Ding am Laufen hat. Ist irgendwann im Leben aber nur noch die Blase.
Interessant, dass auch hier wie bei „Wie geht es?“ das Gehen im Zentrum steht. Es geht darum, sich durch das Leben zu bewegen, zu gehen. Zu sagen, dass man gerade still darin steht, geht nun gar nicht. Innehalten ist ein vergessenes Ideal.
„Wie steht es?“ fragt man höchstens bei Fußballspielen, die voller Bewegung sind. Wenigstens gibt es da immer eine klare Antwort.