bookmark_borderDie Freiheit und der Tod – ein ewiges Missverständnis

Zum Glück, kann ich nur sagen, werde ich nicht von Intellektuellen regiert.
Von Heribert Prantl zum Beispiel, der sich in der „Berliner Zeitung“ große Sorgen um die Grundrechte macht und wenige um Leben und Tod.
Im Verbund mit einem gedanklich vorauseilenden Interviewer wird dort der Eindruck geschaffen und zugleich beweint, dass die Pandemiebekämpfung in Deutschland die Grundrechte aushöhle. Diese würden unter Duldung des Parlaments per Verordnung „auf- und zugedreht“.
Meines Wissens und Googelns bin ich wohl langsam der Einzige hienieden, der unverdrossen darauf hinweist, dass unser Grundgesetz ausdrücklich „zur Bekämpfung von Seuchengefahr“ das Auf-und Zudrehen der Grundrechte auf Zeit billigt (Artikel 11 und 13). „Das Grundgesetz steht nicht unter Pandemievorbehalt.“, sagt hingegen der defender of human rights. Er hat es also wirklich nicht gelesen! Gelernt habe er, der Herr Prantl, dass „derjenige, der die Grundrechte verteidigt, sich wappnen muss“. Mit dem Lesen der Verfassung sollte man anfangen und sich vorarbeiten zur eigenen Botschaft.
Man würde die Grundrechte opfern, heißt es im Interview, um „vermeintlich der Pandemie Herr zu werden“.
Allerdings ist gerade zu erkennen, dass wir durch den Lockdown tatsächlich der Pandemie Herr werden. Zu spät, das Interview zurückzurufen. Wie würde Herr Prantl über die Grundrechte denken, wenn er hechelnd im Krankenwagen-Konvoi vor einem Lissaboner Krankenhaus wartet? Freudig sterben, Höherem geopfert?
In Fernost würde die Pandemie mit „Big-Brother-Methoden“ bekämpft, höhnt der Interviewte. Ich schaue auf meine Corona-Warn-App und weiß, dass ich von der nicht viel erfahren kann, von wegen Datenschutz. Singapur erfasst rigoros Kontaktdaten und hatte gestern 19 Neuinfektionen und keinen Toten. Berlin, in etwa gleich groß, hat pro Tag derzeit um 350 Neuinfektionen und 30 Tote. In Singapur könnte ich heute shoppen gehen und in Restaurants – ach nein, ich würde ja unter der Big-Brother-Knute leiden. Und auch die Schulen sind dort geöffnet, die der Herr Prantl auch als Grundrecht verstanden wissen will. Da er eine rigorose Pandemiebekämpfung aber als unzumutbar zurückweist, bleibt es sein Geheimnis, wie man seine Grundrechte verwirklichen kann.
Prantl vergleicht dann die Hygienemaßnahmen mit der Antiterrorbekämpfung und dass diesbezügliche Eingriffe bis heute nicht aufgehoben wären.
Ist denn der Terrorismus verschwunden?
Vom Sars-Cov-2-Virus hoffe ich ein Verschwinden doch demnächst zu erleben.
Wenn es Intellektuelle nicht doch noch verhindern.