bookmark_borderIrgendwas mit Medien -2-

Normalerweise übertreibt Reklame, außer sie wird übersetzt.
Dann ist sie neuerdings oft wie Milchglas, durch das man nicht mehr recht was erkennt.
Eine Krimiserie verspricht, dass sie die “elastische Natur der Realität durch ihre zentrale Figur…erkundet.”
Eine andere kündigt eine “dunkle Odyssee über die Dämmerung des künstlichen Bewusstseins” an. 
Wahrscheinlich dämmert schon im englischen Original nichts. Aber nun ist ganz dunkel.

Da kommt sicher noch viel.
Ein Wettlauf zwischen Qualität der Übersetzersoftware und Einsparungsradikalität menschlichen Tuns. 

bookmark_borderSeenot

Natürlich gibt es noch die Bücher. Sie waren immer da, und ich habe immer gelesen, aber irgendwann will man über den Buchdeckel hinaussehen.
Und da wird es ernst.
Nach einem verzweifelten Durchkämmen bei prime, Sky, appleTV und Anderen reift die erschreckende Erkenntnis: wir haben seit dem ersten Lockdown jetzt alles gesehen.
Wir kennen jedes morbide Serienkaff, in welchem jeder ein düsteres Geheimnis hat.
Unsere Lieblingsfilme, die wir gerne mal wieder angeguckt haben, kennen wir langsam so auswendig, dass sie drohen, nicht mehr unsere Lieblingsfilme zu sein.
Beim Probieren von Neuem haben wir Perlen entdeckt, haldenweise Mittelmaß und erschreckenden Stumpfsinn pandemischen Ausmaßes, von dem ich nie geahnt hätte, dass psychisch gesunde Menschen dessen Herstellung finanzieren.
Es sind ganz furchtbar schlichte Muster erkennbar geworden, nach welchem Filme und Serien gefertigt werden, als wären es Pizzen, die man sich immer gleich auftaut und in den Ofen schmeißt.
Wir haben uns auch mal angeschaut. womit sich Teenager die Pubertät verlängern. Und sogar Kinderfilme, die manchmal sogar erwachsener sind als Erwachsenenfilme. Aber jetzt haben wir wirklich, wirklich alles gesehen und stellen mit wachsender Furcht fest, dass der Lockdown nicht nur verlängert, sondern womöglich sogar verschärft werden soll. Was dann?
Unendlich schienen anfangs die Archive von Filmen und Serien, und dann gab es ja doch auch wenigstens halbtote Sportveranstaltungen, manches Streamingnotangebot diverser Kulturträger und nicht zuletzt auch einen US-Präsidenten mit Unterhaltungsangeboten eigener Art.
Aber wie ein Menetekel an der Wand kündet auch sein Rauswurf aus dem Weißen Haus vom Ende des Entertainments.
Es ist auch unübersehbar, dass coronabedingt weniger Filme fertiggestellt werden. Außerdem scheint bei den Kreativen zusätzlich das Virus der Einfallslosigkeit zu grassieren, oder kommen im Homeoffice keine brauchbaren Geschichten?
Die vielen Abende, die wir statt bei lebensfrohem Jazz oder Oper oder Kleinkunst oder Geselligkeit nun in endlosen Serien -Fortsetzungen mafiöser Drogengeschäfte verbracht haben, haben uns überdies mental und sittlich gefährlich hinuntergezogen. Wir fühlen uns manchmal schon verdächtig, weil wir an keinerlei kriminellem Komplott beteiligt sind im Gegensatz zu fast allen da drin im Bildschirm.
Das Gute im Menschen scheint leider kein geeigneter Filmstoff zu sein. Und wenn sich die Guten lediglich durch hanebüchene Superkräfte aus der Volksmenge hinter der Gardine generieren, bin ich sowieso gleich weg.
Skandinavische Serien spotten dem Ranking ihrer Länder im globalen Glücksatlas.
Produktionen aus China lassen staunen, wie viel Geld für Kitsch da ist, und lückenschließende russische Serien transportieren schlecht verhüllt Militärkult und Demokratieskepsis, so dass der Hinweis im Abspann auf staatliche Förderung all zu plausibel erscheint.
Aber das kann man doch alles wirklich nicht gucken!
Auch nicht die platten Liebes- oder Splatterfilmchen. Soll das die Endstation eines Gelockdownten sein? Die kulturelle Zombisierung?
Bei welchem “Sie haben das schon gesehen”-Wert wird der Kulturnotstand ausgerufen?
Spendiert die Regierung wenigstens Schlaftabletten?
Oder wenigstens mal einen abendfüllenden Skandal?
Sonst wird es hart.