bookmark_borderDas Diadem des Bildungsbürgers

Museumsbesucher sind an der Leine zu führen
Von unsichtbaren Fäden gezogen, treiben mit Audio-Guide gekrönte Häupter wie  Nesselquallen durch die Ausstellungsflure, nötigenfalls durch mich hindurch, sollte ich dem gewisperten Befehlen in ihren Ohrmuscheln im Wege stehen.
Man kann jetzt auch nicht mit ihnen sprechen, denn sie werden gerade mit dem 24-bändigen Brockhaus aufgeladen.
Der ich unverstöpselt durchs Museum laufe, werde mit verächtlichen Blicken bespuckt.
Mir jedoch scheint es immer klüger, Belehrung zu meiden.
Natürlich verstehe ich im Unterschied zu den Zeitgenossen Tizians nicht jeden biblischen Hintergrund eines Gemäldes. Aber sollte ich das Nachschlagen dem Betrachten vorziehen?
Käme ich nicht eben dadurch den erwähtnen Zeitgenossen nahe, dass ich nicht in der Luft mit Bildung betankt werde, sondern mir einfach nur Zeit nehme, mich auf das Schauen einzulassen?
Manchmal fummeln die Audio-Guide-Träger nervös an ihrem Audio-Guide herum, weil er die Geheimnisse des Bildes plötzlich für sich behält wie ein verplombtes Orakel. Zum Fummeln setzt sich der Gestörte hin, als erlahme auch seine eigene Batterie. Viel zu fummeln gibt es an den Dingern nicht, und er muss zum Eingang, sich neu beguiden lassen. So, wie er schaut, sollte man ihn malen.

bookmark_borderDas Diadem des Bildungsbürgers

Museumsbesucher sind an der Leine zu führen
Von unsichtbaren Fäden gezogen, treiben mit Audio-Guide gekrönte Häupter wie  Nesselquallen durch die Ausstellungsflure, nötigenfalls durch mich hindurch, sollte ich dem gewisperten Befehlen in ihren Ohrmuscheln im Wege stehen.
Man kann jetzt auch nicht mit ihnen sprechen, denn sie werden gerade mit dem 24-bändigen Brockhaus aufgeladen.
Der ich unverstöpselt durchs Museum laufe, werde mit verächtlichen Blicken bespuckt.
Mir jedoch scheint es immer klüger, Belehrung zu meiden.
Natürlich verstehe ich im Unterschied zu den Zeitgenossen Tizians nicht jeden biblischen Hintergrund eines Gemäldes. Aber sollte ich das Nachschlagen dem Betrachten vorziehen?
Käme ich nicht eben dadurch den erwähtnen Zeitgenossen nahe, dass ich nicht in der Luft mit Bildung betankt werde, sondern mir einfach nur Zeit nehme, mich auf das Schauen einzulassen?
Manchmal fummeln die Audio-Guide-Träger nervös an ihrem Audio-Guide herum, weil er die Geheimnisse des Bildes plötzlich für sich behält wie ein verplombtes Orakel. Zum Fummeln setzt sich der Gestörte hin, als erlahme auch seine eigene Batterie. Viel zu fummeln gibt es an den Dingern nicht, und er muss zum Eingang, sich neu beguiden lassen. So, wie er schaut, sollte man ihn malen.

bookmark_borderToskana ist überall

Dass ein Reiseziel in die Herzen der Menschen gedrungen ist, bemerkt man daran, dass eine Badfliesenserie nach ihm benannt ist.
Oder ein Klappstuhl. 
So gibt es die meisten Artikel eines Baumarktes längst in der Ausführung „Toskana”: Fliesen, Heizkörper, Wannen, Gewächshäuser, Einbauküchen, ja ganze Einfamilienhäuser sind unter dieser Bezeichnung im Angebot. Viele Kunden halten „Toskana” (wahlweise auch „Toscana”) deshalb auch nicht mehr für eine Landschaft, sondern, je nachdem, für einen Seifenhalter oder einen Papierkorb.
Oder eine Treppe. Eine Ausbau-Firma wirbt für „eine Treppe wie die Toscana.” Sie ist aus Beton. 
Man kann, ohne dass ein Italiener es bemerken würde, das ganze Haus mit Toskanarien ausstatten und anschließend sogar in der Hollywoodschaukel „Toscana, blau”, (sie hat wenigstens ein wasserabweisendes Dach,) blau machen.
Warum gibt es eigentlich nicht die Toscanaschaukel „Hollywood”? 
Modelle mit dem Namen „Toskana” fallen häufig rostrot aus, wie Angebranntes. Weswegen es wohl auch den Moulinex-Toaster „Toskana” gibt und die gleichnamige Silit-Pfanne.
Manchmal sind die „Toskana”-Ausführungen etwas verspielt, oder der Name wird vergeben, weil man sich irgendwie für eine stilistische Entgleisung rechtfertigen will. 
Die Handgetreidemühle „Toscana” von Kornkraft „ist der Turbo unter den handbetriebenen Kornmühlen.” Das ist wenigstens ein akzeptables Gleichnis zum Tourismusbetrieb der Region.
Was kaufen wohl die Leute dort? Den Pizzaofen „Neuschwanstein”? 
Die Produktbezeichnung mit Ferienzielen verwandelt den Traum von der Idylle in konsumfreudiges Verhalten.
Irgendwann muss man gar nicht mehr weg. 
Nur noch zum Baumarkt.
Dort holt man sich etwas Toskana und baut es zuhause einfach ein. Die Anleitung liegt bei, und Garantie gibt es auch. 
Auch an den, der es bis zum Fachhandel nicht mehr schafft, ist übrigens gedacht: selbstverständlich gibt es auch einen Sarg gleichen Namens.
Die letzte Reise soll schließlich erst recht ins Paradies gehen.

bookmark_borderToskana ist überall

Dass ein Reiseziel in die Herzen der Menschen gedrungen ist, bemerkt man daran, dass eine Badfliesenserie nach ihm benannt ist.
Oder ein Klappstuhl. 
So gibt es die meisten Artikel eines Baumarktes längst in der Ausführung „Toskana”: Fliesen, Heizkörper, Wannen, Gewächshäuser, Einbauküchen, ja ganze Einfamilienhäuser sind unter dieser Bezeichnung im Angebot. Viele Kunden halten „Toskana” (wahlweise auch „Toscana”) deshalb auch nicht mehr für eine Landschaft, sondern, je nachdem, für einen Seifenhalter oder einen Papierkorb.
Oder eine Treppe. Eine Ausbau-Firma wirbt für „eine Treppe wie die Toscana.” Sie ist aus Beton. 
Man kann, ohne dass ein Italiener es bemerken würde, das ganze Haus mit Toskanarien ausstatten und anschließend sogar in der Hollywoodschaukel „Toscana, blau”, (sie hat wenigstens ein wasserabweisendes Dach,) blau machen.
Warum gibt es eigentlich nicht die Toscanaschaukel „Hollywood”? 
Modelle mit dem Namen „Toskana” fallen häufig rostrot aus, wie Angebranntes. Weswegen es wohl auch den Moulinex-Toaster „Toskana” gibt und die gleichnamige Silit-Pfanne.
Manchmal sind die „Toskana”-Ausführungen etwas verspielt, oder der Name wird vergeben, weil man sich irgendwie für eine stilistische Entgleisung rechtfertigen will. 
Die Handgetreidemühle „Toscana” von Kornkraft „ist der Turbo unter den handbetriebenen Kornmühlen.” Das ist wenigstens ein akzeptables Gleichnis zum Tourismusbetrieb der Region.
Was kaufen wohl die Leute dort? Den Pizzaofen „Neuschwanstein”? 
Die Produktbezeichnung mit Ferienzielen verwandelt den Traum von der Idylle in konsumfreudiges Verhalten.
Irgendwann muss man gar nicht mehr weg. 
Nur noch zum Baumarkt.
Dort holt man sich etwas Toskana und baut es zuhause einfach ein. Die Anleitung liegt bei, und Garantie gibt es auch. 
Auch an den, der es bis zum Fachhandel nicht mehr schafft, ist übrigens gedacht: selbstverständlich gibt es auch einen Sarg gleichen Namens.
Die letzte Reise soll schließlich erst recht ins Paradies gehen.