Mythologische Schlachtefestplatte

Ärgerlich an der Spionagesoftware “Pegasus” ist auch, dass man zur Namensfindung das Dichterross geschlachtet hat.
Wieder ist ein Begriff geraubt, bedeutungsgewendet, geschändet.
Zuletzt war es der “Querdenker”, um den es wiklich schade ist. Jetzt das geflügelte Pferd. Hat es jemand mit dem trojanischen verwechselt? (Nachdem schon der Begriff “Trojaner” diskriminierend ist für die Bewohner der geschleiften Stadt, weil im sagenhaften trojanischen Pferd kein einziger Trojaner steckte.)
Sollte die Unesco langsam eine Schutzorganisation gründen, die die Weltkultur vor der geschmacklosen Plünderung bewahrt?
Über die Software selbst ist wenig zu sagen. Sie diene, so der israelische Hersteller, der Bekämpfung von Terrorismus und Kriminalität. Anders gesagt: unsere Grundwerte verraten wir lieber selber. Denn dass nirgendwo staatlicherseits versprochen wird, die Bürger vor der Bespitzelung zu schützen, kann nur daran liegen, dass man selbst solcherlei Software verwendet und nun nicht gleich all zu viel Ernst machen möchte mit dem Datenschutz. Bis jetzt ist der Bürger doch ganz gut damit ruhig gestellt, dass er zwanzig Mal am Tag Datenschutzvereinbarungen anklicken darf, und dass Cookies unter dem Label “Ihr Datenschutz ist uns wichtig” laufen. Auch bei Corona-Apps durften sich Bedenkenträger ruhig austoben. Bei “Pegasus” hingegen steht die minimale öffentliche Aufregung im schreienden Kontrast zum guten Grund dafür.
Aber jetzt muss erst einmal das Flügelross begraben werden. Man kann es nicht mehr ohne falsche Assoziationen erwähnen.
Ruhe sanft, Pegasus. Das Internet ist kein Ponyhof.

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