Die überbewerteten Wölfe

Immer mal wieder heult im brandenburgischen Wahlkampf das Thema „Wolf“ auf.
Aber Wölfe sind wohl in etwa so falsch bewertet wie der Komponist Antonio Salieri, der bekanntlich Mozart nicht ermordet hat, aber so sehr in der Nummer drin hängt, dass er es heute wohl täte.
Erst recht, weil man Mozart das „Wolferl“ nannte.
In meiner Kindheit brachte man uns bei, dass Wölfe gern in Frauenkleidern im Bett liegen und es nicht mögen, von jungen Mädchen mit roten Kopfbedeckungen auf die Unvollkommenheit ihrer Verkleidung oder überhaupt männliche Attribute angesprochen zu werden.
Später sah man sie im Film als treue Begleiter von Vampiren.
Als dann Naturschützer versuchten, Wölfe bei uns wieder heimisch zu machen, fürchteten viele, nicht mehr unbehelligt mit einem Korb voller Kuchen durch den Wald zu kommen.
Solange es den überhaupt noch gibt, denn der Mensch ist bekanntlich des Menschen bösester Wolf und frisst sich selbst den Boden unter den Füßen weg.
Ach, und dass kleine Mädchen wie das Rotkäppchen ihre Großmutter physisch besuchen und sogar beschenken, gilt als überwunden. Pro Oma-Geburtstag gibt es bis zum Antreten des Erbteils eine SMS, die im meist ausgeschalteten Prepaid-Handy der alten Dame vergammelt.
Als ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Wolf sah, war dies ein augenscheinlich frierendes, mageres, graues Bündel in einem Tierpark. Vielleicht bekam unser Tierpark-Wolf auch einfach nicht genug kleine Mädchen zu fressen. Womöglich müsse er sich sogar vegetarisch ernähren und nehmen, was die Rehe so übrig lassen. Jedenfalls war meine Wolfsangst bei seinem Anblick wie weggeblasen.
Heute stehen Wölfe so sehr unter Schutz, dass man Entschädigungen zahlt. (Kommentar von Rotkäppchen: „Gut zu wissen!“)
Wie viel genau man bekommt, ist aber unklar. Man muss einen so genannten Rissbegutachter kommen lassen. Der schaut, ob der Biss „einfach oder nachgefasst“ ist, ob der Eckzahnabstand wolfsmäßig hinkommt und eine typische lange Schleifspur zu erkennen ist.
Es könnte ja jeder kommen und ein Schaf tot beißen.
Danach muss natürlich auch noch ein Formular ausgefüllt werden.
Das Ganze rechnet sich, wie man hört, wohl nicht so recht, und man kann nicht gut davon leben, Schafe in ein Wolfsrevier zu scheuchen. Letzteres nennt man übrigens ökologisch korrekt „Förderkulisse“.
Rotkäppchen in der Förderkulisse.
Das Gefressenwerden ist wirklich nicht mehr sehr romantisch.

So muss Deutsch

“Wir können draußen!”, stand am Eingang des Gartencenters.
Manche, dachte ich sogleich, können überall.
In sprachlicher Hinsicht wollen sie aber immer seltener können. Seit “Da werden Sie geholfen!” in der Reklame auftauchte, entdecken Sprücheklopfer den Charme des Unwissens.
Auch sonnt sich das Deutschland von heute in der bewussten Distanz zur preußischen Korrektheit.
“Wir sind Wurst” textet noch die kleinste Fleischerei.
“Wir hassen teuer” ist einem Freund der Sprache mindestens so hassenswert wie das Teuer.
Noch fallen die Sprachgurken auf. Aber wenn sich die Leute erst an das Kleinkind-Blabla gewöhnt haben, könnte es auch langweilig werden. Oder noch schlimmer: zur Sprachnorm.
“Der Duden hilft Sie!” wird es dann heißen.
(Den Trends der Interpunktion folgend womöglich sogar “Der. Duden. Hilft. Sie.”)
Leider bin ich 20. Jahrhundert. Und hasse hässlich. Und kann drin.
So werde ich, wie viele Alte, nur die Wahl haben zwischen fügsam und lächerlich.
Das König der Dilemmas.  

Das böse Butterfässchen

Zu sehen war im Fernsehen, und ich sollte ordentlich staunen, wie in einem Grandhotel Präsidentensuite und Gala-Dinner vorbereitet werden. Dem gutsherrlich umhergescheuchten Personal stand der kalte Angstschweiß auf der Stirn, als der Off-Kommentar unerbittlich erklärte: „Das Butterfässchen muss zentimetergenau an seinem Platz stehen.“
Seit ich diesen Satz hörte, will ich nimmer reich sein.
Das Risiko, zum Butterfass-Neurotiker zu werden, ist mir einfach zu hoch.
Wie wunderbar gleichgültig ist mir mit meinen kleinen Sorgen der Standort der Rama-Schachtel. Und welch scheußliches Leben hingegen ist es, wenn der kleinste Verstoß gegen die Tischordnung nicht nur die Laune verdirbt, sondern zu Reklamationen nicht nur ermächtigt, sondern geradezu zwingt.
Ich hätte ja schließlich vierstellig für eine Nacht bezahlt, da würde ein stillschweigendes Hinnehmen eines verrutschten Butterfässchens den Beginn meiner Verwahrlosung markieren.
Man zeigt mir den Luxus im Fernsehen, damit ich mich vor ihm fürchte.

Das böse Butterfässchen

Zu sehen war im Fernsehen, und ich sollte ordentlich staunen, wie in einem Grandhotel Präsidentensuite und Gala-Dinner vorbereitet werden. Dem gutsherrlich umhergescheuchten Personal stand der kalte Angstschweiß auf der Stirn, als der Off-Kommentar unerbittlich erklärte: „Das Butterfässchen muss zentimetergenau an seinem Platz stehen.“
Seit ich diesen Satz hörte, will ich nimmer reich sein.
Das Risiko, zum Butterfass-Neurotiker zu werden, ist mir einfach zu hoch.
Wie wunderbar gleichgültig ist mir mit meinen kleinen Sorgen der Standort der Rama-Schachtel. Und welch scheußliches Leben hingegen ist es, wenn der kleinste Verstoß gegen die Tischordnung nicht nur die Laune verdirbt, sondern zu Reklamationen nicht nur ermächtigt, sondern geradezu zwingt.
Ich hätte ja schließlich vierstellig für eine Nacht bezahlt, da würde ein stillschweigendes Hinnehmen eines verrutschten Butterfässchens den Beginn meiner Verwahrlosung markieren.
Man zeigt mir den Luxus im Fernsehen, damit ich mich vor ihm fürchte.

Werben beim Rollrasen

Ein unerschöpflicher Born geistiger Anregung sind dem Autofahrer die Beschriftungen von Lastwagen.
Heute gab es einen vorläufigen Höhepunkt, als ich an einem Sattelschlepper ganz groß „Fassadenwelt“ las. Die Beschreibung eines gesellschaftlichen Gesamtzustandes in einem einzigen Wort! Philosophie auf Rädern!
Welten kommen einem auf der Autobahn öfter mal entgegen oder werden von mir locker überholt. „Fliesenwelt“ oder „Teppichwelt“. Leben mag ich in keiner von ihnen, aber danach geht es ja nicht immer. Nicht einmal die „Welt der Getränke“ böte ein glückliches Zuhause.
Sicher muss man nicht alles glauben, was auf einer Plane steht. „Wir baggern aus Leidenschaft“ kam heute vorbei und scheint eher behandlungswürdig.
Eine Spedition ergänzt ihren Firmennamen mit einem dicken fetten „wer sonst“. Die Verkehrsdichte bestätigte dieses Alleinstellungsmerkmal nicht.
Die Behauptungen fahren spazieren. Wie es da drinnen aussieht, erfährt man nicht.
Fassadenwelten.

Die Schlagzeile gibt sich geschlagen

1914 war die Bezahlschranke der Zeitungsjunge.
„Attentat auf Thronfolger!“, schrie dieser, und die Leute kauften das Extrablatt.
Heute ist Kinderarbeit verboten, und statt um ein paar Groschen in der Hosentasche geht es um eine hackergefährdete Bankverbindung, die man so leicht nicht rausrückt.
Der Headliner muss es schon ein bisschen sadistischer anstellen, um an Kohle zu kommen. So könnte ein  Bezahlschrankenwärter von heute in diesem Fall vielleicht formulieren: „Kronprinz saß friedlich im Wagen. Bis das passierte.“ 
Ja, was? Klicken!
Die Schlagzeile ist tot, die Kitzelzeile tritt an ihre Stelle.
Auch bei Gratisinhalten. Denn dann ist der Klick der Groschen. Es muss auch nichts gelesen und angeguckt werden, geschweige denn verstanden. Hauptsache, man rutscht versehentlich auf irgendein vor- oder quergespanntes Werbebanner.
Man bezahlt das Meiste im Netz mit der neuen Währung Genervtsein.
Der Mausfinger muss zucken.
Und so entstehen dann vor Nachrichtenseiten oder über YouTube-Videos Überschriften wie:
„Eigentlich sollte es nur ein Grillfeuer werden. “
„Fußballspiel endet mit Überraschungsergebnis “
Oder: „Alles sah nach einem planmäßigen Linienflug aus. “
Wer kein Geld hat oder keine Lust hat, wenigstens Mausarbeit zu leisten, bleibt in der Welt der Andeutungen zurück.
„Eigentlich wollte er etwas erfahren.“ Und diesmal wäre alles gesagt.

Der Traum vom Rausfliegen

Die Menschen wissen oft nichts von ihrer Würde.
Zum Beispiel sagen sie „Ich bin da und da rausgeflogen“, bemerken jedoch nicht das Aktive des Verbs und sehen somit nicht, was sie wunderschön Erhabenes, ja lyrisches vortragen.
„Ich bin da rausgeflogen.“ Ich habe die Schwingen ausgebreitet und habe mich in die Lüfte erhoben. Staunend sah der Personalchef hinterher. Von wegen „nicht flexibel genug“.
Die Sprache hält mehr Trost bereit als die Lage verdient.
„Wir haben Schulden“, sagt man. Aber „haben“ ist ein besitzanzeigendes Verb.
Ich hörte mal jemanden sagen, dass die Ostdeutschen aus ihrer Geschichte heraus mehr haben, was sie nicht haben. Das ist eine schöne Umwidmung.
„Ich bin reingelegt worden.“ Als Baby war das noch toll! Reingelegt in weiche Kissenberge. Heute wollen alle stehen und laufen und allerhöchstens sitzen. Aber legt euch, lasst euch reinlegen!
Man muss eigentlich nur sich selber gut zuhören, um frohen Mut zu schöpfen.
Oder, ebenso schön: „Ich gehe zu Grunde.“ Wie wenige finden so weit!
(2010)

Toskana ist überall

Dass ein Reiseziel in die Herzen der Menschen gedrungen ist, bemerkt man daran, dass eine Badfliesenserie nach ihm benannt ist.
Oder ein Klappstuhl. 
So gibt es die meisten Artikel eines Baumarktes längst in der Ausführung „Toskana”: Fliesen, Heizkörper, Wannen, Gewächshäuser, Einbauküchen, ja ganze Einfamilienhäuser sind unter dieser Bezeichnung im Angebot. Viele Kunden halten „Toskana” (wahlweise auch „Toscana”) deshalb auch nicht mehr für eine Landschaft, sondern, je nachdem, für einen Seifenhalter oder einen Papierkorb.
Oder eine Treppe. Eine Ausbau-Firma wirbt für „eine Treppe wie die Toscana.” Sie ist aus Beton. 
Man kann, ohne dass ein Italiener es bemerken würde, das ganze Haus mit Toskanarien ausstatten und anschließend sogar in der Hollywoodschaukel „Toscana, blau”, (sie hat wenigstens ein wasserabweisendes Dach,) blau machen.
Warum gibt es eigentlich nicht die Toscanaschaukel „Hollywood”? 
Modelle mit dem Namen „Toskana” fallen häufig rostrot aus, wie Angebranntes. Weswegen es wohl auch den Moulinex-Toaster „Toskana” gibt und die gleichnamige Silit-Pfanne.
Manchmal sind die „Toskana”-Ausführungen etwas verspielt, oder der Name wird vergeben, weil man sich irgendwie für eine stilistische Entgleisung rechtfertigen will. 
Die Handgetreidemühle „Toscana” von Kornkraft „ist der Turbo unter den handbetriebenen Kornmühlen.” Das ist wenigstens ein akzeptables Gleichnis zum Tourismusbetrieb der Region.
Was kaufen wohl die Leute dort? Den Pizzaofen „Neuschwanstein”? 
Die Produktbezeichnung mit Ferienzielen verwandelt den Traum von der Idylle in konsumfreudiges Verhalten.
Irgendwann muss man gar nicht mehr weg. 
Nur noch zum Baumarkt.
Dort holt man sich etwas Toskana und baut es zuhause einfach ein. Die Anleitung liegt bei, und Garantie gibt es auch. 
Auch an den, der es bis zum Fachhandel nicht mehr schafft, ist übrigens gedacht: selbstverständlich gibt es auch einen Sarg gleichen Namens.
Die letzte Reise soll schließlich erst recht ins Paradies gehen.

Urlaub mit Hilde

Jedes Jahr im Urlaub treffe ich Hildegard von Bingen.
Ohne dass wir verabredet sind.
Es ergibt sich.
Spätestens auf dem Gang zum Spa im Wellness-Hotel liegt ein Klumpen Quarz im Schaufenster und verspricht Heilung nach HB.
Ich weiß: unter dem Kürzel HB reiste in jüngerer-Vergangenheit ein Apostel des Tabakrauchens, ein Succubus des Hedonismus, die Anti-Hilde, wenn man so will.
Hildegard hingegen ist der aschegewordene Ausdruck aller gesunden Glücks-Verheißungen und Kurversprechen: sie ist DIE Anti-Aging-Nurse und Bio-Nonne, Karrierefrau und Domina der Entschleunigung,
Ihr Lob will nicht enden.
Neulich begegnete mir in der ideenreichen Thermen-Cafeteria eine „Gemüsebrühe Hildegard von Bingen“. Veggie war sie also auch.
Und Christin soll sie gewesen sein, aber das merkt man heute nicht mehr so. Sie war ja auch hart am Rande des Ketzertums und hätte leicht auf dem Scheiterhaufen enden können. Die Anti-HB-Männchen der Inquisition hatten immer Feuer dabei.
Mit Rauch hat sie übrigens auch geheilt. Weihrauch sollte man sich ins Ohr fächeln, wenn man schlecht hört. Machen wir heute nicht, denn wir hören schlecht, auch auf Hildegard, und das ist wohl auch gut so.
Durch das Spa röhrt nur heiser die unvermeidliche Panflöten-CD, während die Edelsteine wissenschaftsfrei ihre heilende Kraft entfalten.
Diamanten, lese ich, helfen gegen Hunger. Wohl, wenn man sie verkauft.
Aber von mir aus auch durch Herumliegen. Urlaub – das ist schließlich auch Urlaub von der Schulmedizin.
Und man gönnt sich mal was. Hilde trifft man nämlich erst ab 4 Sternen. Drunter gibts nur Spaßbad. Ab 4 Sterne gibt es gern einen Hauch Kloster. Jedenfalls bis die Nachtbar öffnet.
Darüber hinaus verströmt Hilde Geborgenheit in der rauhen Fremde. Wir sind, weil wir mal weg sind, endlich zuhause, sagt uns ihr trostreiches Antlitz. In Muttis Schoß. Alles wird gut, wenigstens für ein paar Tage.
2012 ist Hildegard von Bingen heilig gesprochen worden. Aber da war sie längst schon viel mehr, nämlich eine Marke.
Würde mich nicht wundern, wenn unter ihrem mild lächelnden Antlitz auch wieder die Zimmerpreise gestiegen sind. Der bewährte, alte Aderlass.

Leben zu Trainingszwecken

Endlich weiß ich, wozu ich lebe. Zu Trainingszwecken.
(Was ich schon lange vermutete.)
Die Hotlines holen jetzt immer meine Zustimmung zum Aufzeichnen des Gespräches. Irgendwann werden sie dann meinen Anruf im Seminar “Renitenzkompetenz” auswerten und in allen denkbaren Verläufen bis zum Erfolg der Firma durchspielen.
Gern möchte ich ausrufen, dass mein Anruf keine Übung ist, sondern ein echter Notfall, eine wirkliche Störung oder Reklamation, aber wie ich feststelle trainieren sie gerade wieder, nicht ans Telefon zu gehen.
Mittlerweile kann ich diese Zeiten des Zurückgeworfenseins genießen. In diesen Minuten der halben Ankunft,wartegeschleift und mit PR-Tinnitus sediert, steigen die philosophischen Seinsfragen auf. Was kann ich hoffen? Was ist der Mensch? Was kann ich wissen? Was wird das kosten?
Und was gibt es an mir zu trainieren? Wollen sie hinter meine Schliche als gewitzter Reklamateur kommen, die rhetorischen Finessen auskundschaften, mit welchen ich meine berechtigten Ansprüche herbeischwatze? Warum zeichne ich nicht selbst das Gespräch gleichfalls auf, um im Nachhinein das Florett meiner eigenen Klageführung zu wetzen? Nicht zum ersten Mal gewährte ein Wettrüsten den Frieden und ein Gleichgewicht der Schrecken!
Müsste man machen, müsste man machen. Sonst werden sie eines Tages jedes Gespräch gewinnen. Auch die Resignation des Kunden werden sie dann natürlich als Zufriedenheit werten.
Dass sie mit Zufriedenheit gar nicht Zufriedenheit meinen, merkt man immer schon an den Zufriedenheitsumfragen, die derartig nerven, dass sich im Beantworten derselben nie im Leben auch nur ansatzweise ein Zufriedenheitsfeeling einstellen kann. Da können sie verlosen was sie wollen.
Auch das Aufzeichnen dient ganz ausdrücklich der “Erhöhung der Kundenzufriedenheit”. Nun ist aber, was ignoriert wird, die Kundenzufriedenheit in den meisten Fällen ganz und gar nicht stufenlos zu erhöhen, sondern von bestürzend simpler binärer Logik: Entweder, etwas funktioniert oder es funktioniert nicht. Funktioniert es, bin ich zufrieden, wenn nicht, dann nicht. Alles ist viel einfacher, als es sich Zufriedenheitstrainer träumen lassen.
Einmal hatte ich, meinem Karma zuwider, ein schönes Reklamationserlebnis. Ich rief um eine Lampenschale an, die zersplittert geliefert wurde, gleichwohl die Lampe verpackt war, als wollte man sie aus einem Frachtflugzeug über ein Notstandsgebiet abwerfen. Die Lampe lag in Plastikpolsterfolie, die in Papier gewickelt war, das in Papier gewickelt war, umgeben von einem Karton, der in Styroporflocken schwebte, die sich in einem gefütterten Umkarton befanden.
Theoretisch konnte der Lampenschirm gar nicht zerbrechen, und ich machte mir deshalb Sorgen, ob man mir die Weisheit abnähme, dass selbst in den tiefsten Tiefen der Geborgenheit die Zerstörung hausen kann.
Bereits nach zwei Ruftönen ohne Mitschnittwarnung nahm eine freundliche Dame mein Gespräch an, welche den Eindruck erweckte, auf meinen Anruf geradezu gewartet zu haben. Scherbenversand schien dort die Norm zu sein, und vielleicht hätten sie sogar von selbst bei mir angerufen, wenn ich mich nicht gemeldet hätte. Ohne großes Training im Herumzieren schickte sie mir eine neue Lampenschale, die genau so verschwenderisch verpackt war, als gäbe es für diesen Planeten kein Morgen. Aber sie war unversehrt, und ich erwog sogar, zur Erhöhung der Lieferantenzufriedenheit noch einmal anzurufen.
Doch ich ließ es.
Dabei wäre es vielleicht schön gewesen. Eine Art wirkliches Gespräch zwischen Menschen.
Nächstes Mal werde ich es tun. Zu Trainingszwecken.