wortkarrieren

hat es jemals vor „impfpflicht“ ein wort mit zwei „pf“ direkt nacheinander gegeben?
die pandemie ist nebenher eine karawane von begriffen, die wie aus dem nichts ins zentrum von debatten schießen.
jeden der begriffe gab es schon lange im sprachschatz, ebenso wie das virus in der wildnis.
lockdown, homeoffice, maskenpflicht, inzidenz – um den „querdenker“ ist es richtig schade, denn es war eigentlich ein alter adelstitel, der dann auch fiebrig wurde.
worte verhalten sich wie viren: befallen wirte, vervielfältigen sich, sind oft aggressiver als vordem im wörterbuch, wenn sie zu kampfbegriffen mutieren, gehasst werden oder beeifert.
die impfpflicht beispielsweise gab es ja lange wirklich nur im wörterbuch.
aber womöglich wird sie außerhalb gebraucht, wo alle anderen worte nicht überzeugen.
es muss ja irgendwie ein gesellschaftsvertrag des gegenseitigen schutzes geschlossen werden.
impfen lassen ist einfacher.
jede dosis wäre auch ein sprachberuhigungsmittel.
je weniger streitworte übrig bleiben, desto besiegter ist die seuche.

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(ab heute erscheinen die kleinen glossen in einem selbstgehosteten wordpress-blog. ältere, heute hinüber-transferierten beiträge zeigen deshalb das heutige datum. danach sind nun auch alle beiträge aus dem alten blog wieder zu sehen.)

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